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Heute wird der Grundstein zum Neubau des Berliner Stadtschlosses gelegt Schaufenster der Weltkulturen

12.06.2013, 01:19

Braucht die Berliner Mitte überhaupt ein Schloss? Lange gab es darüber heftigen Streit. Mit dem Grundstein im Sandboden werden nun weitere Fakten geschaffen.

Berlin (dpa) l Es hätte schlimmer kommen können für Berlin. Ein Hotel, ein Einkaufszentrum oder ein Parkhaus gehörten zu den Planspielen für jenen Ort, auf dem heute der Grundstein für das wiederaufzubauende Hohenzollern-Schloss gelegt wird. Die Brache, die nach dem Abriss des DDR-Palastes der Republik entstand, beflügelte die Fantasie von Politikern und Architekten. Um keinen anderen Ort in der deutschen Hauptstadt wurde in den vergangenen Jahren derart heftig gestritten.

Lange war es ungewiss, ob sich der Bundestagsbeschluss halten lässt, mit dem sogenannten Humboldtforum im Schloss einen Ausstellungsort der Weltkulturen zu schaffen. Zur Grundsteinlegung gibt Bundespräsident Joachim Gauck dem Projekt seine Weihe. Die Eröffnung ist für 2019 geplant.

Vor allem war die Finanzierung des laut Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) "größten Kulturbauvorhabens in Deutschland" unsicher. Der Bundestag hat eine Kostenobergrenze von 590 Millionen Euro festgesetzt.

Teuer und bombastisch, lauten die Vorbehalte

Der Widerstand gegen ein neues Schloss war beträchtlich. Zu teuer, zu bombastisch lauten die Vorbehalte. Mit der Hohenzollern-Residenz wolle sich das wiedervereinigte Deutschland ein Betondenkmal setzten, argumentieren Kritiker. Sie sehen das Projekt als schlechten Witz der Geschichte. Und dann noch das viele Geld in Zeiten von Arbeitslosigkeit und Krise.

Befürworter sehen den Prachtbau dagegen als krönenden Abschluss für die Straße Unter den Linden, an der sich auch andere, teils nach dem Krieg wiedererrichtete preußische Bauten reihen, etwa die Staatsoper, die Humboldt-Universität und die Stadtkommandantur.

Seit Monaten sind Bagger am Werk, die einstigen Fundamente des Schlosses wurden freigeschaufelt, eine neue Betonplatte gelegt, von einer Infobox können Besucher auf die Baustelle blicken. Daneben wird bereits an der U-Bahn-Linie zwischen dem Hauptbahnhof und dem Alexanderplatz gebaut.

Der italienische Architekt Franco Stella, der die Erwartungen auf einen großen Entwurf enttäuschte und sich fast haargenau an die Wettbewerbsvorgaben hielt, baut drei Barockfassaden originalgetreu nach. Die Ostfassade zur Spree entsteht als moderner Rasterbau.

Das Barockschloss soll ein Ort der Selbstfindung werden und die Frage beantworten, welchen Platz Deutschland im 21. Jahrhundert einnimmt. So sehen es die Verantwortlichen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die die inhaltliche Federführung hat.

Der Vorschlag des einstigen Stiftungs-Präsidenten Klaus-Dieter Lehmann, das Humboldtforum als Schaufenster der Weltkulturen zu etablieren, überzeugte Skeptiker und machte erst den Weg für das Projekt frei. Auf drei Geschossen werden die außereuropäischen Sammlungen der Berliner Museen ausgestellt, die heute in Berlin-Dahlem gezeigt werden. Die Humboldt-Universität wird Schätze aus ihren Sammlungen beisteuern, die Berliner Landesbibliothek eine Außenstelle schaffen.