Berlin (dpa) l Das Autogramm von Paul McCartney hat sie verschludert. Ein Missgeschick der Jugend, sagt sie. Dabei war ihr Schmachthit über den Sonnyboy-Beatle für Marianne Rosenberg einst der Durchbruch. Mit „Mister Paul McCartney“ hatte sie als 14-Jährige ihren ersten Hit. „Ich war 16 und hatte meine Single auf seinem Konzert in der Deutschlandhalle dabei. Auf die gab er mir ein Autogramm. Und ich hab sie verbummelt.“ Heute lacht sie darüber. Die gebürtige Berlinerin, die am Dienstag 65 wird, nimmt es gelassen: „Es ist, wie es ist.“

Dabei kam die Idee zu dem Lied gar nicht von Rosenberg selbst. Nach einem Gesangswettbewerb schickt ihr ein Produzent die Musikkassette mit dem Teenie-Song. Während die Beatles gerade im Begriff sind, sich aufzulösen, tritt das Mädchen 1970 damit zum ersten Mal im Fernsehen auf. „Mister Paul McCartney“ wird ein Hit - nicht der ganz große, aber immerhin. Heute sagt die Sängerin: „Ich dachte, das wird immer so weitergehen.“

Und das tut es auch – zunächst jedenfalls. In den Siebzigern ist Rosenberg die Personifizierung des Schlagers. In dem Jahrzehnt kommen 17 Alben heraus. Sechs ihrer Songs bringt sie in den deutschen Top Ten unter, bekannte Titel wie „Er ist nicht wie du“, „Lieder der Nacht“ oder „Er gehört zu mir“. Der frische Sound of Philadelphia und der eingängige Discobeat werden ihr Markenzeichen – und natürlich die dunkle Föhnwelle.

"Marleen" größter Erfolg

Ihr größter Erfolg ist „Marleen“, ein Song über die Nebenbuhlerin, die doch bitte den Mann in Ruhe lassen solle. Aus jetziger Sicht emanzipatorisch etwas fragwürdig, schlagerpartytauglich ist das Lied von 1976 allemal – auch heute noch. Ende der 1970er kehrt ihr allerdings ein Großteil des Publikums den Rücken. Ihre Songs gelten seinerzeit nicht mehr als attraktiv. „Auch für mich nicht“, sagt sie rückblickend. Sie sei damals nicht aus den Plattenverträgen herausgekommen. „Die wollten, dass ich immer das Gleiche wiederhole. Und ich wollte das nicht.“ Gelitten habe sie.

Danach sucht sie sich Freiräume für Wandlungen. Mal kommt die Neue Deutsche Welle, mal macht sie Chanson und Jazz, mal gibt es Einflüsse von Punk und Electro. Jüngst ist es wieder verstärkt Pop – wie auf dem neuen Album „Im Namen der Liebe“. „Wenn man mit Musik arbeitet, begegnet man anderen Menschen und Themen“, sagt sie. „Und dann tun sich auch neue Türen auf.“ Rosenberg holte sich Größen wie Rio Reiser und Inga Humpe an die Seite, später unter anderem die Söhne Mannheims. Und auch ihr Look ändert sich: Mittlerweile ist sie eine Diva, aber nahbar. Zudem ist sie eine streitbare Künstlerin. Die Tochter des Auschwitz-Überlebenden Otto Rosenberg, langjähriges Vorstandsmitglied im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, ist eine kraftvolle Verteidigerin der Demokratie.

In diesem Jahr kann sich Rosenberg gleich drei Mal feiern lassen. Für ihren 65. Geburtstag ist eine Party für ihr neues Album geplant, im Herbst feiert sie zudem ihre fünf Jahrzehnte dauernde Bühnenkarriere. Sie spricht davon, zu den Wurzeln zurückzukehren. „Es war mir wichtig, so ein Gefühl des Nach-Hause-Kommens zu haben.“ Nur Schlagersängerin – so will sie nicht mehr genannt werden.

Was am meisten gefeiert wird? Der Geburtstag. „Ich bin jemand, die gern Geburtstag hat. Viele meiner Freunde fahren weg, um zu vertuschen, wie alt sie werden“, sagt sie. „Ich finde das albern.“