Wernigerode l Der „Brocken-splitter“ ist in der Sonderausstellung nicht nur in der heutigen quadratisch verpackten Form zu sehen, sondern auch in der einst dreieckigen Variante. Jürgen Will erzählt gern die Historie dieses Wernigeröder Kult-Produkts, das erstmals 1922 verkauft wurde und heute immer noch in der Stadt hergestellt wird.

Schließlich waren es diese Haselnusskrokant-Dreiecke, die in Will eine Sammelleidenschaft geweckt haben. Er begann vor etwa 15 Jahren, zur Wernigeröder Schokoladenindustrie zu recherchieren, deren Tradition bis 1848 zurückreicht. Angesteckt vom Nachforschen und Sammeln, weitete Will sein Hobby aus.

Er kennt sich auch bestens aus in der DDR-Industrie bis hin zur heutigen Schokoladenproduktion. Seine Sammlung umfasst mittlerweile zweieinhalb bis dreitausend Objekte – von alten Rechnungen über Pralinenschachteln und Werbeschildern bis hin zu farbenfrohem Einwickelpapier. Aufgestöbert hat er all das in Antiquitätenläden und im Internet.

Früher Luxusartikel

2007 zeigte das Schloss schon einmal eine schokoladige Schau, damals auch aus Wills Bestand. Es ging um den Siegeszug der Schokolade mit Augenmerk auf Wernigerode. Jetzt, so sagt der Sammler, wollte er die deutsche Schokoladenindustrie von ihren Anfängen bis heute erzählen.

„Einst war Schokolade Luxusartikel. Heute ist sie Massenprodukt“, sagt Will, der auch mit der neuen Ausstellung Wernigerode und die Region nicht aus dem Blick verliert.

In der Ausstellung findet man nicht die heutigen fast uniformen Plastikverpackungen, dafür umso mehr farbenfrohe, aufwendig gestaltete und schön anzusehende Papierbilder. Ganz hoch im Kurs waren verspielte Motive, die heile Welt: lachende Kinder, bunte Blumen und immer wieder schneebedeckte Alpengipfel. Auch Bodeta aus Oschersleben warb so einst für seine Vollmilch-Schokolade. Auf der Vorderseite eine braungescheckte Kuh, hinten die fein gezeichnete Ansicht der Werke mit einer Stadt und einem Fluss. Die Kakao- und Schokoladenfabrik warb mit dem Spruch: „Bodeta kommt vom Bodetal und ist die Marke Deiner Wahl.“

Die Ausstellung ist chronologisch gegliedert, erzählt gleich zu Beginn von der Gründung der ersten deutschen Schokoladenfabrik im Jahr 1756 und der Entwicklung Dresdens und seines Umlandes zum Zentrum der Produktion in den Jahren 1871-1873. Das älteste Ausstellungsstück stammt aus 1876, eine Blechschachtel aus Dresden. Werbeteller wechseln sich ab mit Kakaotassen, Emailleschilder mit Porzellankannen. Zwischendrin Formen von 1880/1890 für den Schoko-Osterhasen oder die Marzipan-Form für Wilhelm Buschs Max und Moritz. Deutsche Geschichte liest sich vor allem an den Schachteln und dem Einwickelpapier ab: Das Farbintensive im Schokoladenboom, lachende Kindersoldaten im Ersten Weltkrieg, immer wieder heroische „Cover“ bis hin zur Panzer- und Wehrmachtsschokolade im Zweiten Weltkrieg.

Wenig Auswahl im Osten

Jürgen Will zeigt auch die unterschiedlichen Entwicklungen in beiden deutschen Staaten, das schmale Sortiment im Osten, das große und damit einhergehende preiswerte Angebot im Westen. Heute, so sagt Will, ist das Angebot riesig. „Es gibt neue Trends. Es wird stark mit Gewürzen experimentiert. Und Nachhaltigkeit ist ein Thema.“

300 Exponate von etwa 180 Schokoladenherstellern sind zu sehen. Schriftbänder erzählen von Entwicklungen, die Vitrinen und die gehängten Objekte sind nicht explizit beschriftet. Führungen mit Jürgen Will, der so viel erzählen kann über all die Firmen und natürlich über Schokolade, sind noch nicht geplant.