Viertes Saisonkonzert der Magdeburgischen Philharmonie im Opernhaus Spagat zwischen zwei Instrumenten
Beim letzten Sinfoniekonzert dieses Jahres hatte die Magdeburgische
Philharmonie ein Mitglied der Berliner Philharmoniker zu Gast: Der
Solo-Pauker Wieland Welzel war an zwei Instrumenten gleichzeitig zu
erleben. Doch am Anfang stand Wagner.
Magdeburg. Stellen Sie sich eine rastlose und gequälte Menschenseele, nach Hoffnung und mit dem Schicksal ringend, in der Einsamkeit eines Studierzimmers vor. In Musik gemalt illustrierte die Magdeburgische Philharmonie unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Kimbo Ishii ein wirkungsvolles Seelengemälde gleich zu Beginn des Sinfoniekonzertes mit Richard Wagners "Faust-Ouvertüre".
Ursprünglich war diese als Kopfsatz einer Sinfonie geplant. Der leitmotivische Charakter, der Wagners spätere Opernkompositionen bestimmen sollte, ist in diesem Werk bereits deutlich zu hören. Perfekt stimmten die düster raunenden Kontrabässe und Tuba die langsame Einleitung an. Darauf stiegen die umherirrenden Streicherfiguren ein und entwickelten in spannungsgeladener Chromatik variierende Themen - ein zwischen ruhelosem Sehnen und Verzweiflung hin- und hergerissener Faust. Wunderschön dessen zartes Seitenthema, das die Holzbläser, insbesondere die Solo-Oboe, lyrisch sehnsuchtsvoll spielten.
Dem Wagner-Verständnis völlig entronnen war seinerzeit Darius Milhaud. Aus einer jüdischen Familie der Provence entstammend, bekannte Milhaud sich eher zur südländischen Musik. Mit Milhauds selten zu hörendem Konzert für Marimba, Vibraphon und Orchester op. 278 kündigte sich der Solo-Schlagzeuger der Berliner Philharmoniker Wieland Welzel mit gleich zwei Soloinstrumenten an. Zur Zeremonie wurde bereits die Positionierung der Instrumente, musste doch das Bein des Solisten bis zum Tonhaltepedal des Vibraphons reichen, während er sich an mancher Stelle schon der Marimba widmete.
Mit 14 unterschiedlichen Schlägeln und sogar vom Komponisten vorgeschriebenen Spiel mit dem Schaft des Schlägels oder auch den Fingerkuppen auf der Marimba musizierte Wieland Welzel ganz im Sinn der Klangästhetik Milhauds.
Wahre Klangwunder im zweiten Satz
Faszinierend, wie in einem Concerto unmittelbar die aus Südamerika stammende Marimba (ähnlich einem Xylophon) und das elektrisch modifizierbare Vibraphon mit seinem im Jazz üblichen metallischen Klang kontrastreich gegenüberstehen. Orchester und Solist warfen sich die musikalischen Bälle nur so zu.
Im zweiten Satz ereigneten sich wahre Klangwunder. Ein reger Kontakt bestand zwischen Vibraphon und 1. Bratschen- und Violinenpult. Der Solist erreichte eine beeindruckende musikalische Tiefe zwischen verträumt-entrückten Vibraphon-Akkorden und gewitzter Gelassenheit der Marimba. Am Ende des Schlusssatzes beherrschte diese virtuos und in lateinamerikanischer Rhythmik den fröhlich-frechen Ausklang. Welzel wurde mit Recht vom Publikum gefeiert.
Zum Schluss des Abends erklang Johannes Brahms\' vierte und letzte Sinfonie e-Moll op. 98. Das Orchester kam nach den fallenden Seufzer-Terzen in den Violinen schnell in den verwobenen Spielfluss. Den ständigen Wechsel zwischen warmer Elegie und energetischem Wandel gestalteten die Solo-Klarinette und Holz-Kollegen sehr musikantisch.
Überhaupt übernahmen die Bläser den tänzerisch anmutenden Trubel voller treibender Energie. Die weiträumig angelegten Steigerungen wurden etwa durch spontan wirkende Flöten- und Oboensoli in eine wohlüberlegte Dramaturgie gepackt. Einfach schöne Musik!