Magdeburg l Vor den romanischen Rundbogenfenstern im Kloster Unser Lieben Frauen stehen auf Stativen zwei Johnson-Bassgitarren, darunter Lautsprecher, die permanent Töne durch die Gänge schicken. Mit seiner Klanginstallation greift der in San Francisco lebende britische Künstler Richard T. Walker die Verletzung unserer Welt auf. Walker ist Musiker, seine Gitarren demoliert – wie manche Landschaft. Ein Neonstreifen „malt“ einen Berg in die Installation.

Dass diese Gitarren im vergangenen Jahr bereits in einer Ausstellung im Haus zu sehen waren und jetzt nun wieder, hat nichts mit mangelndem Ideenreichtum zu tun. Die Gitarren stehen vielmehr für das Ansinnen der neuen Ausstellung. „StoryWorks“ ist sie überschrieben und gibt Einblicke in die Entwicklung der Sammlung in den letzten Jahren. Sie hat sich peu à peu vergrößert. Auch das Werk von Walker gehört neuerdings dazu. Der Künstler hatte im Dezember freundlich bei den Mitarbeitern angefragt, ob er diese Installation dem Kunstmuseum überlassen dürfe. Als Schenkung. Sammlungskurator Uwe Gellner kann über diese Bescheidenheit nach wie vor nur schmunzeln. „Große Sammlungen haben Werke von Walker“, sagt Gellner und nennt das San Francisco MoMA und die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Man sieht ihm die Freude darüber an, dass jetzt auch Magdeburg einen Walker hat.

Alicia Paz, die mexikanische Künstlerin, die schon einmal ihre Öl-Collage-Arbeiten in Magdeburg präsentierte und deren Baum-Skulptur vor dem Kunstmuseum die Besucher begrüßt, hat dem Haus eines ihrer farbintensiven Bilder vermacht. „Frankie“, eine weitere Arbeit, konnte zudem 2017 durch die Freunde und Förderer des Kunstmuseums erworben werden. Beide Arbeiten sind jetzt in „StoryWorks“ zu sehen.

Bilder

Neue und wichtige Positionen

Paz und Walker gehören zu jenen 37 Künstlern, deren Werke Eingang fanden in den Bestand des Museums. Museumsleiterin Annegret Laabs spricht von neuen und wichtigen Positionen. Die Hälfte sind Schenkungen von Künstlern und Erben, auch Sammlern, anderes wurde angekauft mit Hilfe vom Land, von Stiftungen, Kunstfonds, Freundeskreis. Die Stadt Magdeburg als Hausherr stellt jährlich 10.000 Euro für Ankäufe zur Verfügung.

Magdeburgs Sammlungen nehmen sich bescheiden aus. Das Kulturhistorische Museum verlor etliche seiner Kunstschätze im Zweiten Weltkrieg, das Kunstmuseum im Kloster war zu DDR-Zeiten ausgerichtet auf die Nationale Sammlung Plastik. „Wir wollen das Image des Skulpturenmuseums ablegen. Wir sind ein Museum der Kunst, die lange Zeit eine untergeordnete Rolle spielte“, sagt Laabs und unterstreicht zugleich die Bedeutung der Sammlung als ein Stück Gedächtnis der Stadt.

Es gibt Handzettel zu den Arbeiten, auf denen mehr als nur Biografisches über die Künstler geschrieben steht. Es werden Geschichten erzählt wie über Günter Fruhtrunk, der als „Aldi-Künstler“ bekanntwurde, weil er einst die Tüte des Discounters mit dem großen A und den blauen Streifen entwarf. Weil ihm das dann doch peinlich war, so wurde kolportiert, soll der Professor ein symbolisches „Bußgeld“ von 400 DM in die Kaffeekasse an der Münchner Akademie gezahlt haben.

Keine Aldi-Tüte, aber Farbbewegungen von Fruhtrunk sind ausgestellt. Wie sie über Paris nach Magdeburg kamen – wieder eine Geschichte.

„StoryWorks. Kunstwerke erzählen Geschichte(n)“ ist bis zum 22. April zu sehen.