Magdeburg l Wenige Augenblicke nach dem letzten Ton von „Lets dance“ begann das Publikum, mit den Füßen zu trampeln und sich zu erheben. Regisseurin Cornelia Crombholz vollendet nach, „Spur der Steine“ und „Kruso“, mit dieser Inszenierung, ästhetisch beeindruckend und mit komödiantischer Brillanz, ihre Trilogie, aus den Befindlichkeiten des ostdeutschen Landes vor der Wende zu berichten. Die Crombholz markiert damit einen weiteren Höhepunkt ihrer opulenten Stilistik und zeigt zugleich, wozu heutiges Theater samt seiner technischen Palette fähig ist: Es begeistert und beschreibt am Beispiel Düsterbusch mit hoher Sinnhaftigkeit den Willen, sich aus der provinziellen und ideologischen Enge des DDR-Daseins heraus zu emanzipieren.

Die Aufführung gibt zudem ein wunderbares Zeugnis nicht nur des spielerischen, sondern auch des musikalischen Könnens des Ensembles: Alle Männer und Frauen singen gekonnt, und die Band besteht neben dem Musiker Andreas Gentzsch aus den Darstellern Carmen Steinert, Marian Kindermann, Daniel Klausner, Oliver Niemeier, Ralph Opferkuch und Matthias Rheinheimer.

Spielorte wechseln rasant

Christiane Hercher (Kostüme Josefine Maria Krebs) baute der Crew eine Bühne, wo die Spielorte im rasanten Tempo wechseln können, ohne dass die Handlung an Verständlichkeit verliert. Zwei Bühnenwagen bilden so etwas wie einen Zirkus, der statt von Stadt zu Stadt durch das Leben zieht. Aufnahmen einer Kamera, mit der Pierre Balazs durch die Szenerie geht, verbinden und überblenden über Leinwände beständig die Lokalitäten, an denen Daniel Klausner als Anton Kummer sehnsuchtsvoll danach strebt, die geistige Kleinlichkeit seines Daseins zu überwinden. An der Seite von Klausner als der Protagonist leuchten ebenso Ralph Opferkuch als Henryk und Carmen Steinert als Conny. Matthias Rheinheimer als Sprenzel gelingt es glaubhaft einen Menschen zu zeigen, der nicht ganz helle im Kopf und dennoch von großem Wert für das Gemeinwesen ist.

Bilder

Alle anderen Darsteller verkörpern mit Bravour mehrere Personen. Björn Jacobsen (vier Rollen) brilliert besonders als ein Alleinunterhalter, der die ganze Muffigkeit der DDR präsentiert, aber in jeder Gesellschaft auf Beifall hoffen kann.

Protagonist stellt sich andere Welt vor

Iris Albrecht (drei Rollen) gibt überzeugend eine Mutter, die stets zu ihrem Anton hält, auch wenn er nicht ihre Erwartungen erfüllt. Den Wirt der Dorfkneipe, wo Anton seine Vorstellungen von einer anderen Welt vorantreibt, spielt Thomas Schneider (vier Rollen) mit der schmierigen Haltung derer, die die Innovationen anderer nur schätzen, wenn es ihrem Geschäft nutzt. Oliver Niemeier (drei Rollen) balanciert als Chef der Band „Brechreiz“ beinahe fahrlässig entlang der Liste bekannter Magdeburger Rocker von damals. Antonia Schirmeister (sechs Rollen) prägt sich besonders als Dame von der Berufsberatung ein. Sie alle wie auch Lea Wegmann als Elke und Hexe sowie Marian Kindermann als Cosmo und Chris verkörpern sehr authentisch Personen einer Geschichte, die vergangen, aber dennoch lebendig ist. Der Abend erzählt, wer im Osten bis 1989 unangepasste Träume verwirklichen wollte, konnte mitunter seine Existenz bis zur Ausweglosigkeit ruinieren.

Aber er verdeutlicht auch, dass in der DDR viel wirkliches Leben war, das immer wiederkehrt: Jugendliche erwarten mehr vom Leben als nur in Brotberufen ihr Glück zu finden und sind bereit, dafür zu kämpfen. Das grandiose Spiel ermöglicht Älteren, lachend von der Vergangenheit Abschied zu nehmen, und den Jungen einen heiteren und nachdenklichen Einblick in ein verschwundenes Land.