Magdeburg l Die romantisch-einfühlsame Geschichte vom kleinen Prinzen ist gegenwärtig im Garten der Magdeburger Möllenvogtei zu erleben. Mit dieser Inszenierung und Molières „Der eingebildete Kranke“ gastiert das Potsdamer Ensemble Poetenpack und bereichert traditionell das durchaus opulente Sommertheaterangebot in der Landeshauptstadt.

Buch millionenfach verlegt

Für Familien und Kinder fehlt es da eher an Offerten. Diese Lücke will „Der kleine Prinz“ schließen. Bis in die Gegenwart hat das Kunstmärchen des französischen Schriftstellers und Piloten Antoine de Saint-Exupéry den Status eines Erfolgstitels, erschien in mehr als 140 Millionen Exemplaren. Es findet sich regelmäßig auf der Bühne.

Kräftig bunt schaffte es die Dekoration, die Aufmerksamkeit auf die Spielfläche unter freiem Himmel zu lenken. Die Jüngsten haben zumeist Platz auf Sitzkissen genommen. So schafft die Inszenierung Nähe. Mühsam befreit sich der in der Sahara abgestürzte Pilot (Michael Gerlinger) aus seinem Fallschirm. Er sinnt über sein Leben nach, als unvermittelt ein Junge auftaucht: der kleine Prinz (Clara Schoeller). Beide kommen ins Gespräch und der junge Mann wünscht sich: „Zeichne mir ein Schaf.“ Dass dies in einer Kiste verborgen ist, stört ihn nicht, schafft Raum für Fantasie. Schließlich nimmt der Kleine die Zuschauer mit auf eine ungewöhnliche Reise, besucht interessante Menschen und ferne Planeten, sucht Freunde.

Gekürzte Fassung

Die Bühnenfassung ist gekürzt, konzentriert sich auf wesentliche Stationen, lässt das Ende offen. Einprägsam sind vor allem der Besuch bei der Rose. Felix Isenbügel gibt eine in sich selbst verliebte Blume, herrlich schräg gespielt und in einem fantasievollen Gewand, dem die anderen Kostüme von Caroline Sánchez in nichts nachstehen.

Gekonnte Figurenwechsel

Isenbügel schlüpft auch in die Rollen des Geschäftsmanns und spielt einfühlsam die Puppe des Fuchses, der sich sofort die Herzen der Zuschauer erobert. Als der nachdrücklich das „Sich-vertraut-Machen“ erläutert und der Prinz wieder ein Stück Erfahrung sammelt, hat die Inszenierung ihren Höhepunkt. „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“, sagt der Fuchs. Auch Gerlinger als König und Geograf schafft den Figurenwechsel gekonnt.

Held zu dominant

Weniger überzeugt der kleine Prinz. Die Inszenierung von Janet Kirsten hat sich für eine eher dominante Figur entschieden, von der man sich etwas sensible Zurückhaltung und Schüchternheit wünscht, die Saint-Exupérys Vorlage erwarten lässt. So erscheint der Hauptheld eher dominierend und fast ein wenig belehrend, scheint wie ein Entertainer durch das Stück zu führen. Da bleibt in einer Zeit medialer Fülle zu wenig Raum für leise Töne, die Kindern guttäten.

Musiker Olaf Mücke überzeugt mit seiner instrumentalen Begleitung. Seine Einlagen bringen zusätzlichen Schwung und ein wenig Besinnlichkeit in die Inszenierung. Ein Quäntchen mehr davon wäre kein Fehler gewesen.

Weitere Aufführungen: 11. bis 13. und 17. bis 19. August jeweils 15 Uhr, am 20. August um 11 Uhr. Im Garten der Möllenvogtei am Magdeburger Dom zeigt das Theater Poetenpack zudem Molières Komödie „Der eingebildete Kranke“ vom 11. bis 13. und 17. bis 19. August jeweils 20 Uhr und am 20. August um 17 Uhr.