Magdeburg l Eine Oper für Kinder ab 3 Jahren – kann das gut gehen? Oder ist der Anspruch der musikalischen Früherziehung nicht doch ein wenig zu hoch gegriffen und die lieben Kleinen werden überfordert? Typische Fragen eines erwachsenen Bedenkenträgers und genau der falsche Ansatz – meinen die jungen Macher der Kinderoper von David Wagner „Raus aus dem Haus“ – Regisseurin Stephanie Kuhlmann und Dramaturg Hannes Föst.

Beide haben in den letzten Wochen viel Herzblut in ihr Projekt gesteckt. Es ist sozusagen das Erstlingswerk der Neuzugänge am Magdeburger Theater. Und ein gewagtes Experiment, denn eine Oper für ganz Kleine gab es am Theater Magdeburg noch nie. Also, auf geht‘s. Premiere! Raus aus dem Haus, rein in die Oper! Die musikalische Entdeckungsreise für Klein und Groß kann beginnen ...

Ein Kinderspaß für alle Sinne

Die 45-minütige Geschichte umfasst die Spanne eines Tages – vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Und sie erzählt vom Hinauswagen und wieder Heimkehren: Da ist die Begegnung mit einer Kuh, die aus der Nähe plötzlich ganz groß ist. Da ist das flinke Mäuschen, das sich nur schwer fangen lässt. Und da ist der Berg, der erst einmal erklommen werden will – und das Gefühl auf dem Gipfel, plötzlich ein Riese zu sein. Doch dann wird es auch schon Abend und es heißt: Rein ins Haus, ab ins Bett!

Bilder

Die 40 Plätze fassende Podiumbühne wird zum Kinderzimmer. Es herrscht eine Kuschelatmosphäre. Die Kleinen fühlen sich auf den Sitzkissen am Boden sofort wie zu Hause. Die Eltern tun sich da etwas schwerer. Oma und Opa sitzen lieber auf Stühlen am Rand und amüsieren sich köstlich.

Schauplatz für Kinder

Das Haus aus riesigen, bunten Bauklötzer aus Schaumstoff wird zum Schau- und Spielplatz für die beiden Hauptfiguren. Lissa Meybohm (Sopran) und Emilie Renard (Mezzosopran) erobern die Kinderherzen buchstäblich im Sturm. Dass der klassische Operngesang – auf der Bühne gefühlvoll begleitet von vier Musikern mit Violine, Viola, Posaune und Keybord – ungewohnt ist, laut und hoch, scheint keinen der Knirpse zu stören. Eher sorgt für Unmut, dass der Blick auf die beiden lustigen Akteurinnen von manchen Erwachsenen versperrt wird.

Schließlich will keiner etwas verpassen. Zumal Meybohm und Renard auch das kindgerechte Schauspiel in Mimik und Gestik perfekt beherrschen und so zu einem Erlebnis machen. Jede Aktion, jeder Ton, jedes Bühnen- oder Kostümdetail ist ein Puzzleteil. Am Ende setzt sich alles zu einem kleinen Kunstwerk zusammen, das den tosenden Applaus bekommt, den es verdient.

Oper für Kinder ab drei Jahren? Das geht. Gut! Davon waren Kuhlmann und Föst von Anfang an überzeugt. „Erwachsene sind viel zu reflektiert. Kinder dagegen stehen dem Neuen wertungsfrei gegenüber“, begründet der Dramaturg seine Zuversicht. „Sie sind neugierig, unvoreingenommen, und bereit, sich mit dem Unbekannten auseinanderzusetzen. Das hat es uns im Prinzip sehr leicht gemacht zu zeigen: Hey schaut mal, auch das kann Oper!“

Auch die Regisseurin will mit ihrer Inszenierung nicht zu allererst den pädagogischen Zeigefinger heben. Der gehe eigentlich mehr in Richtung der Erwachsenen: „Die Welt mal wieder mit Kinderaugen sehen - reingehen und überraschen lassen. Schauen, was passiert.“

Die Kinder indes sollen „einfach nur eine schöne Zeit haben“, so Kuhlmann: „Es geht mir darum, dass sie etwas erleben. Dass sie etwas live und hautnah mit allen Sinnen wahrnehmen können – anders als daheim vorm Fernseher oder Laptop.“ Die Kleinen seien ohnehin das beste und ehrlichste Publikum der Welt: „Wenn die Kinder etwas doof finden oder gut, dann sagen und dann zeigen sie das.“

Greta gehört zur letzteren Kategorie. Die Augen der dreijährigen Magdeburgerin strahlen, als sie gefragt wird, wie es ihr gefallen hat: „Guuuut!“ Hat sie denn auch alles verstanden? „Jaaaa!“ Was für eine dumme Frage ...