Am Sonnabend startet das Theater Magdeburg mit Wagners Oper „Die Walküre“ in die neue Spielzeit. Generalintendantin Karen Stone sprach zuvor im Volksstimme-Interview über das Musiktheater, Veränderungen am Haus und Diskussionen um das Domplatz-Open-Air.

Volksstimme: Ist die Oper „Die Walküre“, der zweite Teil von Wagners Großprojekt, Ihr persönliches Highlight in der neuen Spielzeit?
Karen Stone: Ich freue mich sehr auf diesen Wagner – und zwar ohne den ganzen Ring. Diese Oper hat eine unglaublich tolle Musik. Und ich freue mich, dass ich im Januar „Vanessa“ inszenieren werde, eine wunderbare Oper, die nicht so oft gespielt wird. Ich finde, es kann nicht immer „Traviata“ und „Carmen“ sein.

Zudem setzen Sie in der Telemann-Stadt Magdeburg auf Händel. Das ist neu.
Wieso Händel nicht bei uns auf der Bühne? Er und Telemann waren befreundet. Und ich bin mir sicher, dass sich Händels Oper „Xerxes“ sehr hören lassen wird. Wir werden sie auch zu den Händel-Festspielen in Halle aufführen. Nicholas Kok hat die musikalische Leitung. Er ist ein Barockspezialist und Experte für Barockaufführungen mit einem Orchester wie dem unsrigen.

 

Ihr Generalmusikdirektor Kimbo Ishii geht Ende dieser Spielzeit. Steht ein Nachfolger schon fest?
Ja. Wir werden ihn in der kommenden Woche vorstellen, vorher kann ich zur Personalie nichts sagen.

Bekannt ist die Personalie Tim Kramer als Nachfolger für Ihre Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz. Sie geht im nächsten Sommer. Arbeitet sich Tim Kramer schon ein?
Er hat sich bereits viele Vorstellungen angeschaut. Er wollte die Stücke sehen, das Team kennenlernen. Außerdem muss er sich ums Vorsprechen kümmern.

Inwieweit gibt es denn personelle Veränderungen im Schauspiel-Ensemble?
Was ich gehört habe, bleibt ein Drittel, ein Drittel will von sich aus weggehen, ein Drittel hat er nicht verlängert.

Das ist Theatergeschäft und keine Baustelle wie das Domplatz-Open-Air.
Baustelle? Das war ein großer Erfolg für Magdeburg und für die Region. Wir hatten 20.000 Besucher und haben schon wieder 4000 Karten für das nächste Jahr verkauft. Es gibt viele Leute, die das Musical am Domplatz haben wollen.

Aber die Stimmen derer, die meinen, das Sommer-Musical sollte weg vom Platz vor dem Dom, sind in den vergangenen Wochen stärker geworden.
Es ist leider so, dass die, die etwas gut finden, sich kaum zu Wort melden. Man sollte all diejenigen fragen, die in einer unserer Vorstellungen waren, oder die Hoteliers und Gastronomen.

Die Besucher haben nicht das Sagen. Das hat der Stadtrat.
Wir haben vor dem Sommer mit dem Oberbürgermeister gesprochen. Er hat gesagt, er finde den Domplatz einen Super-Erfolg für die Stadt. Er will bis mindestens 2021 mit uns dort bleiben.

Das hörte sich zuletzt anders an. Einen Vertrag als Sommerspielstätte gibt es nur bis 2019. Ihr Domplatz-Open-Air ist also nur noch das nächste Jahr an diesem Ort gesichert.
Das Theater hat die Zusage vom Oberbürgermeister bis 2021. Daran orientieren wir uns.

Sie planen einfach weiter?
Ja. Wir planen für 2020 und 2021 vor dem Dom. Und wir müssen auch schon mit unseren Planungen in diese Jahre vorausdenken.

Man wird sehen, wie der Stadtrat entscheidet. Dort wird momentan auch über alternative Standorte diskutiert. Können Sie sich als Theater vorstellen, woanders hinzugehen?
Persönlich kann ich mir das nur sehr schwer vorstellen. Und im Augenblick sehe ich auch keine Alternative. Was die Zukunft betrifft, werden wir schauen müssen. Vieles wird davon abhängen, wie sich das vorgeschlagene Areal an der Hyparschale und an der Stadthalle entwickeln wird.

Kritiker reiben sich daran, dass der Domplatz wochenlang vom Theater zugebaut wird. Was sagen Sie zu den eingeforderten verkürzten Aufbauzeiten?
Diese Diskussion ist nicht neu, wir hatten sie vor drei Jahren auch schon und haben den Aufbau seitdem um eine Woche verkürzt. Dafür brauchen wir schon Aushilfen, weil wir mit unserem Personal den Spielplan in unseren beiden Häusern abdecken. Aushilfen sind für uns mit Kosten verbunden. 50 000 bis 60 000 Euro kostet uns diese Fremdvergabe für eine Woche. Wir haben jetzt drei Wochen Aufbauzeit. Schneller geht es nicht, ohne dass die Kosten explodieren. Und dann brauchen wir drei Wochen Probezeit bis zur Premiere. Diese Zeit verkürzen können wir nicht. Man muss über all das reden, auch unsere Argumente hören und abwägen, was man als Stadt möchte.

Es soll vom Land zukünftig mehr Geld für die Theater und Orchester im Land geben. Das muss Sie glücklich stimmen?
Natürlich, aber wir haben auch eine große tarifliche Erhöhung im Bereich des öffentlichen Dienstes zu stemmen. Und wir müssen an die Mitarbeiter mit anderen Tarifen denken. Die Schauspieler zum Beispiel, die zu Recht höhere Gagen fordern. Wir haben im Ballett eine neue Tarifvertraggruppierung, weil der Personalrat die alten, schlechteren Solo-Verträge abgelehnt hat. All das ist mit steigenden Ausgaben verbunden.

Wenn wir den Theatervertrag in der Hand haben, müssen wir schauen, dass die Diskrepanzen zwischen einzelnen Bereichen nicht zu groß sind. Ich habe immer gesagt, wenn man gern im Theater arbeitet und der Kunst nahe ist, sollte man nicht automatisch weniger verdienen. Meine Verantwortung ist, dass niemand zurückbleibt.

Eine Bezahlung nach Flächentarif ist für Sie nach wie vor gesetzt?
Aber ja. Ein Haustarif darf nur eine kurzfristige Lösung sein. Er ist in der Stadt seit Jahren kein Thema und ich denke, das bleibt auch so. Man weiß, dass 80 Prozent unseres Gesamt­etats, das ist das, was wir von Stadt und Land bekommen, in die Löhne gehen. Das sind Gelder, die ja auch hier wieder ausgegeben werden. Das darf man nicht vergessen.

Am 29. September hat das Ballett „Diva“ Premiere. Wer wird die Diva tanzen? Die Primaballerina Lou Beyne hat ja das Haus verlassen.
Das ist sehr schade, aber sie war sowieso nicht vorgesehen für diese Rolle. Unser Ballettchef Gonzalo Galguera hat viele Talente in seinen Reihen.

In der Spielzeit 2016/2017 hatte Ihr Haus den Politischen Salon ins Leben gerufen, eine Reihe als Möglichkeit des Diskurses. Er wurde abgesagt, als Innenminister Stahlknecht mit dem neurechten Ideologen Götz Kubitschek zur Talkrunde geladen war. Planen Sie angesichts der politischen Lage im Land, diese Diskussionsreihe wieder aufleben zu lassen?
Leider wurde Herr Stahlknecht damals vom Ministerpräsidenten zurückgepfiffen. Er ist ein guter Argumentierer, er hätte in solch einer Runde gut gegenhalten können. Und ich finde nach wie vor, dass wir diskutieren müssen – im Landtag, in Gesprächsrunden. Wir bringen politische Themen auf die Bühne. Das Theater als Talk-Gastgeber vielleicht irgendwann einmal wieder.