Vinci/Amboise (dpa) l Er blickt mit letzter Kraft zu König Franz I. hoch. Dieser hat seinen Arm unter den sterbenden Körper von Leonardo da Vinci geschoben, als wolle er ihn stützen. Mehrere Menschen stehen um das Sterbebett herum, darunter auch Batista de Vilanis, sein treuer Diener. Das großformatige Bild hat der französische Maler François-Guillaume Ménageot gemalt. Es hängt im Schloss von Amboise. In der Stadt an der Loire ist der Universalkünstler Leonardo da Vinci vor 500 Jahren, am 2. Mai 1519, gestorben.

König Franz I. allerdings, das weiß man heute, war damals gar nicht anwesend, er hielt sich in seiner Residenz in Saint-Germain-en-Laye bei Paris auf. Der Monarch hatte den über 40 Jahre älteren Maler 1516 nach Amboise kommen lassen. Franz I. war Kunstliebhaber und von Leonardo fasziniert.

Auf den Spuren von da Vinci

Die Reise auf den Spuren von Leonardo da Vinci, dem Schöpfer der weltberühmten Mona Lisa, der heute als Genie gefeiert wird, beginnt in Vinci, einem kleinen Ort mit einigen Tausend Einwohnern in der Nähe von Florenz. Gleich vor dem Metzgerladen hängt die Mona Lisa und im Schaufenster eines Haushaltswarengeschäfts steht eine von Kindern gemalte Mona Lisa mit dem Verweis „Besser als das Original“.

Aus den Uffizien in Florenz wurde das früheste auf Leonardo datierte Werk nach Vinci gebracht. Die Zeichnung namens „8P“ zeigt die Landschaft des Flusses Arno. Normalerweise wird die Zeichnung in der Gemäldegalerie in Florenz streng unter Verschluss gehalten. Nun ist sie in dem kleinen Leonardo-Museum in Vinci zu sehen.

Uneheliches Kind eines Notars

Leonardo kam am 15. April 1452 in einem Steinhaus bei Vinci als uneheliches Kind des Notars Ser Piero und der Magd Caterina zur Welt. Seine Kindheit verbrachte Leonardo mit seinem Großvater Antonio in Vinci, bevor er zu seinem Vater nach Florenz zog – die Stadt der Dynastie der Medici. Der Aufenthalt sollte wegweisend sein. In Florenz arbeitete er in der Werkstatt bei einem der wichtigsten Renaissance-Künstler, Andrea del Verrocchio. Weil aber Mailand noch mehr Einfluss hatte, ging er 1481 dort an den Hof. Gemälde wie „Das Abendmahl“ oder die „Felsgrottenmadonna“ entstanden in der Mailänder Zeit.

Doch Leonardo war weit mehr als nur Maler. Er war schier unersättlich, er wollte alles wissen. Er entwarf Kriegsmaschinen genauso wie Wasserkanäle, er studierte den Tier- und Menschenkörper in unzähligen Studien. Er wollte Flugmaschinen, Schiffe und Gebäude bauen. Er kannte keine Grenzen, daher der Name Universalgenie. Vieles blieb unvollendet, trotz – oder gerade deshalb? – wird er fast wie ein Heiliger verehrt. Leonardo fasziniert, weil sein Blick stets in die Zukunft gerichtet war.

Da Vincis unermessliche Neugier

Leonardo habe eine unermessliche Neugier gehabt, „um Grenzen zu überwinden“, sagt Vincis Bürgermeister Giuseppe Torchia. „Leonardo gehört nicht Vinci, er ist Kulturerbe für die ganze Menschheit. Leonardo gehört allen.“ Sein Leben und seine letzte Reise nach Frankreich hätten eine europäische Dimension gehabt.

Leonardo war 64 Jahre alt, als er mit seinen Schülern sowie seinem treuen Diener Batista de Vilanis in Amboise ankam. In seinem Gepäck hatte er neben zahlreichen Dokumenten und Zeichnungen auch die um 1503 entstandene „Mona Lisa“, die von König Franz I. erworben wurde und heute der Star im Louvre ist.

Leonardo wurde vier Tage nach seinem Tod in der Stiftskirche Saint-Florentin begraben. An der ursprünglichen Grabstelle steht eine Marmorbüste und eine Platte mit der Inschrift „Leonardo da Vinci“ erinnert daran, dass vor 500 Jahren hier ein Universalgenie gestorben ist.