München (dpa) l Es ist ein bisschen wie nach Hause kommen: Das Kloster, die Stadt Kaltenthal und natürlich Bürgermeister Wöller – altvertraut. Seit 2002 läuft die ARD-Reihe „Um Himmels Willen“ im Ersten zur besten Sendezeit, und das überaus erfolgreich. Fritz Wepper gehört zu den Schauspielern der ersten Stunde, als intriganter Bürgermeister, der mit den Klosterschwestern regelmäßig Machtkämpfe austrägt. Auch Janina Hartwig als seine Hauptkontrahentin Schwester Hanna ist schon seit 14 Jahren dabei. Am Dienstag um 20.15 Uhr startet nun die 19. Staffel, die den Zuschauern viel Bekanntes, aber auch ein paar Neuerungen bietet.

Idee eines Burgbaus

Dieses Mal sind es die Reste einer mittelalterlichen Burg, die Wöllers geldgierige Fantasien antreiben. Das Kloster Kaltenthal steht auf diesem alten Gemäuer und der Bürgermeister würde die Burg dort gerne wieder hochziehen, natürlich auf Kosten des Klosterbaus. Eine Idee, die Touristen in Scharen anlocken würde, ist er überzeugt. Klar, dass die Nonnen davon überhaupt nicht begeistert sind und Wöllers Pläne vereiteln wollen.

Rückkehr ans Set ist Freude

Hartwig genießt die Rückkehr ans Filmset jedes Mal. „Das ist schon immer eine riesige Freude“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Das Team ist gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Es wurden Kinder geboren, es sind liebe Menschen gestorben. Es gab Hochzeiten und Trennungen. Man wächst einfach zusammen“, stellte die 58-Jährige fest. Auch an das schwarze Schwesterngewand mit dem Schleier hat sie sich gewöhnt. „Wenn ich den Schleier und den Habit anlege, hilft mir das, in die Rolle zu finden. Und es hat den Vorteil, dass es die Masken- und Garderobenzeit morgens ungemein verkürzt.“

Ähnlich geht es ihrer Schauspielkollegin Andrea Sihler, seit Folge 1 als Schwester Hildegard dabei, pflichtbewusst, eigensinnig und völlig uneitel. Ihr Markenzeichen: Eine ziemlich schräge Balkenbrille mit dickem Rand. „Die Brille, die katapultiert einen wirklich ins Komödienfach“, sagte die Münchnerin vor ein paar Jahren. Zudem werde sie ohne Brille und Nonnentracht auf der Straße kaum wiedererkannt – ein Umstand, den Sihler genießt: „Ich bin ja wirklich inkognito.“

Keine Langeweile

Wird es nicht langweilig, immer die gleiche Rolle zu spielen? Das findet Fritz Wepper überhaupt nicht. „Dadurch, dass wir immer neue Geschichten erzählen und uns ständig auf neue Situationen einlassen, bleibt es immer erfrischend und lebendig“, meinte der 78-jährige Münchner mal. Außerdem sind immer wieder neue Schauspieler dabei. So wie Bernd Herzsprung, den Wepper für „Um Himmels Willen“ anwarb: „Wir haben das mal so ganz belanglos angesprochen“, erinnerte sich Herzsprung im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Und er hat gefragt: Hast du nicht Lust, mal wieder was zu drehen?“.

Ein Halbbruder taucht auf

Herzsprung hatte Lust. In der neuen Staffel taucht er ab Ende Februar als Wöllers Halbbruder auf. Eine Beziehung, die sich Herzsprung auch im realen Leben vorstellen könnte. „Fritz ist ein Genuss- wie Mittelpunktmensch, ein genialer Witzeerzähler“, schwärmt er von Wepper. „Er redet, ich schweige, beide mit wachen Augen und dem Gehör für falsche Töne.“ Viel haben sie zusammen unternommen. „Wir waren gemeinsam auf der Pirsch, Hochseeangeln, Fliegenfischen, Trabrennfahren, Segeln, Skifahren, die vielen gemeinsamen Reisen nicht zu vergessen. Das alles hat unser beider Leben geprägt, ohne Naht zusammengeschweißt.“ Auch am Herd stehen sie mitunter, wenn auch nicht ganz gleichberechtigt: „Er kocht, ich darf den Tisch aufdecken und den Wein entkorken“, meinte Herzsprung.

Gewisse Leere nach dem Dreh

Hört sich vertraut an, ebenso wie der Umgang der anderen Darsteller von „Um Himmels Willen“. Trotzdem geht in den Drehpausen jeder seiner Wege. Was bleibt, wenn wieder mal eine Staffel abgedreht ist? Janina Hartwig verspürt dann schon eine gewisse Leere. „Wenn wir so viele Monate miteinander waren und dann ist es plötzlich vorbei, dann sitzt man schon erst mal da und denkt, was mache ich jetzt?“ Dabei ist die Liste der anstehenden Erledigungen lang: „Es gibt unfassbar viel zu tun, ein Berg an Bürozeug muss aufgearbeitet werden, man kann sich wieder um Freunde kümmern, hat Zeit für sich selbst. Aber da muss man sich wirklich erstmal umpolen“, hat Hartwig festgestellt.

Wie eng insbesondere Fritz Wepper mit der Serie verbunden ist, zeigt eine Episode seiner Kindheit, die er mal vor vielen Jahren in Hamburg preisgab. Als Zweijähriger rief er: „Um Himmi wiwi." Der Anstoß dazu kam von seiner Großmutter, wie Wepper erzählte. Damals beim Herumbalgen auf dem Sofa habe sie die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gerufen: „Um Himmels willen."