Gesellschaftssatire Hape Kerkeling: Alle wollen „noch mehr“ recht haben
Warum Hape Kerkeling findet, dass Deutsche als „fürchterliche Rechthaber“ gelten – und wie er im Film „Extrawurst“ mit Humor und Selbstironie darauf blickt.

München - Hape Kerkeling hat bei den Deutschen eine besondere Eigenschaft ausgemacht: „Wir wollen alle immer recht haben, das ist ja das Grundproblem. Und jetzt leben wir einer Zeit, wo alle noch mehr recht haben wollen, als sie schon hatten, aber jeder muss ein Stück abgeben“, sagte der Schauspieler und Entertainer der Deutschen Presse-Agentur anlässlich des Kinostarts der Gesellschaftssatire „Extrawurst“.
Weisheit mit Löffeln essen
Auch in den Nachbarländern würden Deutsche „als fürchterliche Rechthaber“ gelten. „Diesen Eindruck sollten wir vielleicht mal ernst nehmen, wir wissen ja auch immer, was die anderen falsch machen“, findet Kerkeling. „Diese Weisheit mit Löffeln zu essen, das ist schon sehr deutsch.“
Er selbst nimmt sich von dieser Schwäche übrigens nicht aus. Das komme auch bei ihm „manchmal“ vor. „Ich merke es nicht immer sofort, dann dauert es ein, zwei Tage. Das kann schon passieren, dass ich mich auch mal entschuldigen muss.“
Leicht korrupt und kungelnd
Voll ausleben kann der 61-Jährige diese Eigenart in dem Kinofilm „Extrawurst“ unter Regie von Marcus H. Rosenmüller (Kinostart: 15. Januar). Kerkeling spielt darin Heribert Bräsemann, seit Urzeiten Vorsitzender des Tennisclubs Lengenheide. Als ein neuer Grill für den Club angeschafft werden soll, wird darüber bei einer Vereinssitzung debattiert - ein Gespräch, das aber komplett aus dem Ruder läuft. Vorurteile, Rassismus, Eifersüchteleien und Machtspiele sorgen dafür, dass es gewaltig kracht.
Kerkeling liebte es, Bräsemann zu spielen, der mit allen Mitteln die Harmonie wahren will, Hauptsache es läuft alles wie gehabt. („Solange man noch gemeinsam lachen kann, ist es nicht zu spät“). „Ich fand das interessant, dass mir diese Rolle angeboten wurde des leicht korrupten, rheinischen, immer kungelnden, ohne Grund selbstverliebten Vorsitzenden des Tennisclubs, der eigentlich ein armes Würstchen ist, wie man im Verlauf des Films erfährt“, sagt der Schauspieler.
Mit Hass auf dem Holzweg
Seine Erkenntnis nach dem Film: „Dass wir mit unserer Umgebung und uns selbst sanft und sorgsam umgehen müssen und jeder, der diesen Pfad verlässt und glaubt, er kann den Hass versprühen, wo er gerade steht, der ist auf dem absoluten Holzweg und wird ernten, was er sät.“ Und wenn man dann doch mal in eine Debatte gerät? „Grundsätzlich sollte man, wenn es geht, die Eskalation in solchen Diskussionen vermeiden. Und wenn einem das nicht gelingt, sollte man wissen, was die eigene Meinung ist und die mit Nachdruck, aber ohne Aggression vertreten.“
„Mit Wurst liegt man nie falsch“
Neben weisen Worten hat Kerkeling auch handfeste Tipps auf Lager. Etwa zur Frage, was unbedingt zu einem Grillfest gehört.
„Mit Wurst liegt man nie falsch, die isst der Deutsche immer gerne und auf ein deutsches Grillfest gehört eine Bratwurst, ich meine eine Söder-Bratwurst“, scherzt er in Anspielung auf die kulinarische Vorliebe des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) für Deftiges. „Ich esse auch gerne vegan“, bekennt Kerkeling, „aber ich esse genauso gern mal eine Bratwurst“.
Und was bringt er selbst zu so einer Einladung mit? „Immer meinen Nudelsalat, der ist der Hammer, mit viel Mayonnaise, Gürkchen und frischen Zwiebeln. Fleischwurst muss auch noch rein. Aber den gibt’s natürlich auch vegan.“