Musicalpremiere von "Fantasticks" am Theater der Altmark in Stendal Viel gute Musik, aber auch viel Klamauk
In den USA wird das Musical "The Fantasticks" seit 1960 beinahe pausenlos gespielt. Hierzulande kennen viele zwar die Lieder, das Stück selbst ist jedoch recht unbekannt. In der Altmark soll sich das nun ändern.
Stendal l Seinerzeit war das Musical aus der Feder von Tom Jones und Harvey Schmidt sensationell modern: Es verzichtete auf den großen Pomp und die große Besetzung der üblichen Broadway-Inszenierungen und erinnerte durch die Form des Schauspiels in einem Schauspiel an die circensischen Wurzeln dieser Theaterform. Dem Publikum wurde deutlich vor Augen geführt: Wir spielen euch etwas vor! Es handelt sich um reine Unterhaltungskunst.
Sensationell modern ist diese Form im Jahr 2012 nicht mehr. Intendant und Regisseur Dirk Löschner hat deswegen die Rahmenhandlung aktualisiert: Herausgekommen ist eine Mischung von Casting-Show und dem sogenannten Reality-TV. Es gibt einen Moderatoren, El Gallo, der aalglatt und professionell seine Kandidaten durch die 231-ste Auflage seiner Show treibt. Die Kandidaten, als da wären Luisa und ihr Vater Bellomy und Matt und seine Mutter Hucklebee, sind dementsprechend schlechte Darsteller, die immer wieder verlegen grinsen oder in die falsche Richtung schielen. Nur wenn sie vergessen, dass eine Kamera auf sie gerichtet ist, weil sie sehr verliebt oder sehr wütend sind, wirken sie auch authentisch.
Matt und Luisa fühlen sich wie Romeo und Julia beziehungsweise wie Pyramus und Thisbe. Sie sind verliebt und können doch nicht zusammensein. Ihre verfeindeten Eltern haben eine Mauer errichtet und damit einer Verbindung der beiden vorgebeugt. Das ist der Anschein. In Wirklichkeit ist alles nur ein raffinierter Plan von Bellomy und Hucklebee, um die jungen Leute zu manipulieren. Und ganz nebenbei, unbemerkt von den Kandidaten, manipuliert El Gallo kräftig mit.
Löschner setzt in seiner Bearbeitung auf viel Klamauk, beinah unerträglich viel Klamauk. Zumindest bis zur Pause. Im zweiten Teil des Musicals, in dem auch die Handlung einen Wendepunkt nimmt, wird wohltuend auf "Schenkelklopfer" verzichtet und ein anderer Ton angeschlagen.
Die musikalische Seite dieser Aufführung ist dagegen von Anfang bis Ende stimmig. Die Schauspieler überzeugen gesanglich, ganz besonders Madeleine Haipt als Luisa, Sören Ergang als Matt und Florian Kleine als El Gallo. Die Begleitung durch Gero Wiest am Klavier (auch musikalische Leitung) und Eva Curth an der Harfe ist wundervoll.
Fazit: Einige Szenen sind sehr albern geraten. Hier wäre weniger mehr gewesen. Doch bei der Musik und dem Gesang kommen Freunde des Musicals auf ihre Kosten.
Weitere Vorstellungen: Sonntag, 25. März, und Freitag, 30. März, jeweils um 19.30 Uhr