Bravo-Rufe für Wiederaufnahme des Kabarett-Kultprogramms in der "Magdeburger Zwickmühle" Von Frühaufstehern und Schnarchnasen
"Die 3 von der Zankstelle" sind wieder da, und es war, als seien sie nie weggewesen. Die Kult-Kabarettserie, die zehn Jahre lang im Fernsehen lief, feierte in der "Magdeburger Zwickmühle" eine grandiose Wiederauferstehung.
Magdeburg l Mit diesem Programm ist es wie mit dem Geist in der Flasche. Fest verkorkt ruht er Jahre, aber wehe, wenn er rausgelassen!
Mit Rainer Basedow als Gast und den Zwickmüllern Marion Bach und Hans-Günther Pölitz sind es gleich drei Geister, die offenbar nur darauf gewartet haben, die Unzulänglichkeiten dieser Welt mit bissigem Humor anzuprangern. Und das machen sie mit so viel Spielfreude, Hintergründigkeit, mit scharfzüngigen Wortspielen, Tabubrüchen und musikalischen Gänsehaut-Arrangements, dass immer wieder Szenen-Applaus und Bravo-Rufe das zweistündige Feuerwerk der politischen Satire belohnte.
Rainer Basedow ist der Quoten-Wessi, der den Ossis Bach und Pölitz jede Menge Breitseiten liefert, an denen alles, was es so an gängigen Klischees gibt, abgearbeitet werden kann. Die Kabarettisten treffen damit auch nach mehr als 20 Jahren genau den Nerv ihres Publikums.
Der freundlich-devote Bewohner aus dem Osten
Wenn Pölitz den Ossi als freundlich-devoten Bewohner entvölkerter Gebiete zwischen Elbe und Oder definiert, um im nächsten Satz zu erklären, wie sich das Wort "In-West-Ruine" auch verstehen lässt, dann wird nicht nur herzhaft gelacht, sondern es gibt lautstarke Zustimmung.
Rainer Basedow bemüht sich redlich, Demokratieverständnis zu erläutern, aber offenbar sind Hopfen und Malz in langen DDR-Jahren verloren gegangen. "Dafür haben wir euch doch nicht gekauft", resigniert er scheinbar, und das Publikum jubelt.
Der Quoten-Wessi, der im Mai 75 Jahre alt wird, prägte als Kabarettist 20 Jahre lang die Münchner Lach- und Schießgesellschaft und wirkte als Schauspieler in unzähligen Film- und Fernsehproduktionen mit.
Er ist auch ein Meister der leisen Töne, die tief unter die Haut gehen. Aus dem Soldatenlied vom Wolgastrand wird bei ihm "Als ich einst am Bett von Olga stand", in dem er den Pflegenotstand in Deutschland anprangert. Alte und Kranke würden wohl irgendwann weit im Osten Europas die letzten Tage verbringen müssen, dank Etat der AOK. Es ist einer der ganz starken Momente in diesem Programm, das ansonsten mit Themen und Pointen jongliert.
Lieber keine Ahnung als eine Meinung
Marion Bach will wissen, was die Olsenbande und die Bundesregierung gemeinsam haben: Beide haben immer einen Plan, bei beiden geht es immer um Millionen, und es geht immer schief.
Es wäre nicht die Magdeburger Zwickmühle, wenn Hans-Günther Pölitz es sich nehmen ließe, mit der aktuellen Politik Sachsen-Anhalts abzurechnen. Da ist dann vom Wolffsgesetz in Anspielung auf die Entlassung der Wissenschafts- und Wirtschaftsministerin die Rede, das da laute, es sei gefährlicher, eine Meinung als keine Ahnung zu haben. Was nützt es, fragt der Kabarettist, wenn man in einem Land der Frühaufsteher lebe, das von Schnarchnasen regiert werde.
Nicht einmal Richard Wagner kommt ungeschoren davon, denn schließlich hat auch er hier in Magdeburg seine Spuren hinterlassen. Basedow zeigt sich dabei von einer ganz anderen Seite, wenn er den "Lohengrin" zumindest ansatzweise singt oder Shakespeares "Falstaff" zitiert, den er erst vor wenigen Monaten gespielt hat. Da beeindruckt der Schauspieler seine Mitkabarettisten ebenso wie das Publikum.
"Wir ham den Kanal noch lange nicht voll" lautet der Untertitel der Zankstellen-Betreiber. Bei einem so grandiosen Programm dürfte das auch für die Zuschauer gelten, die diese Chance noch bis zum 13. Juli unbedingt nutzen sollten.