Starke schauspielerische Leistung der "Kugelblitze" in ihrem neuen Programm Von Wölfen, Bauern und Femen
Es war nur eine Frage der Zeit, wann die Magdeburger "Kugelblitze" als ständige Gäste der "Zwickmühle" ihr Publikum wieder so richtig begeistern würden. Am Freitagabend war Premiere von "Eine Frage der Zeit", und es ist ein richtiger (Kugel)Blitzknaller geworden.
Magdeburg l Es war den meisten Kabarettfreunden wohl klar, dass dieses Programm aus vielerlei Gründen für die "Kugelblitze" besonders wichtig war. Die Suche nach dem eigenständigen Profil in der so vielfältigen Magdeburger Kabarettlandschaft ist nicht einfach. Doch mit diesem Programm haben sie für sich einen Pflock in die Bühnenbretter geschlagen, an dem sich Erfolg messen lässt.
Sabine Münz, Ernst-Ulrich Kreschel und Lars Johansen spielen und singen wie in alten Zeiten, geben alles, und das Publikum spendet begeistert Szenenapplaus. Regisseur Lutz von Rosenberg-Lipinsky hat es verstanden, die einzelnen Nummern mit dem roten Faden "Zeit" zu verbinden, und die überaus wirkungsvoll eingesetzte Kreschel-Musik, eher dem Swing als dem Gassenhauer verbunden, schrammt erfolgreich immer knapp an der Gema vorbei. Was will das Publikum mehr, als einen so unterhaltsamen Abend?
Auffällig ist vor allem die schauspielerische Leistung der drei, allen voran Sabine Münz. Mit enormer Bühnenpräsenz spielt sie ganz leicht lasziv und immer mit einem geheimnisvollen Lächeln die beiden Herren locker an die Wand. "Das ist gar nicht meine Absicht", meinte sie später, um dann kabarettgemäß nachzusetzen: "Aber die geben so leicht auf."
Urtümliches Komödiantentum
Dabei haben sich die beiden männlichen Mitstreiter mehr als wacker geschlagen. Kreschel, eher meist in die musikalische Ecke gedrängt, beweist besonders in der von drei Alten gespielten Missverständnis-Szene mit "Es geht sowieso alles den Bach runter" urtümliches Komödiantentum. Lars Johanson, in diesem Programm leicht zurückgenommen, kann dafür um so besser seine Stärken ausspielen.
Als Wolf aus der Ukraine, der mit ostpreußischem Dialekt in der Colbitz-Letzlinger Heide jene Schafe fressen will, die die "bescheuerte Landesregierung als Leckerbissen auch noch mit 60 Prozent fördert" und dafür diverse Hilfsmittel einsetzt, hat die Lacher auf seiner Seite. Vermutlich auch, weil er letztlich das clevere Rotkäppchen aus Sachsen-Anhalt verschont.
Unter dem roten Käppchen verbirgt sich Sabine Münz, die als Dame aus dem Rotlicht-Milieu einen köstlichen Dialog mit dem Zeitzeugen Kreschel von pointierter philosophischer Tiefe führt. Singend am Klavier erhält sie offenen Szenenapplaus, und für "Bauer of Love", dem Liebeslied einer unbemerkt Verschmähten an den Bauern des Hofes, könnte man ihr auch einen Preis verleihen.
Ach ja, und dann waren da noch die Femen aus Bremen, jene barbusigen, in diesem Fall männlichen Aktivisten(innen), die mit ihren freizügigen Körperaufschriften nicht nur Zar Putin ins Schwitzen bringen. Doch wenn dann auf der flächenmäßig gut beschreibbaren Außenhülle Lars Johansens nur der Einkaufszettel des Vortages erscheint, dann blitzt sogar eine Portion Slapstick auf.
Dieses Programm findet mit Sicherheit sein Publikum. Es dürfte nur "Eine Frage der Zeit" sein, wann hinter den nächsten Auftrittsterminen heute, Mittwoch, 30. Oktober, und dann im November das Schild "Ausverkauft" steht.