Erstmals ist das vielseitige Schaffen des Künstlers Stefan Wewerka in Magdeburg zu sehen Von Zappelstühlen und Klappmünzen
Es sollte eine Hommage zum 85. Geburtstag von Stefan Wewerka werden. Doch dazu kam es nicht mehr. Am 14. September ist der Künstler gestorben. Das Magdeburger Forum Gestaltung zeigt nun die umfassende Werkschau "schlagartige veraenderungen" postum.
Magdeburg l Wehmut lässt sich nicht verleugnen. Zu lange blieb das OEuvre Stefan Wewerkas seiner Geburtsstadt vorenthalten. Der Sohn des Bildhauers Rudolf Wewerka hat in Magdeburg die Schule besucht, den Krieg erlebt. 1946 begann er ein Architekturstudium an der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin, war Schüler von Max Taut, Eduard Ludwig und Georg Leowald.
Dann zog es ihn an unterschiedliche Orte, er lebte in Bonn, Köln, Berlin, für kurze Zeit in Paris. Unstet ging es in seinem Leben zu, Reisen ins Ausland brachten neue Erfahrungen, Begegnungen mit Künstlern.
Wewerka lässt sich in keine Schublade stecken. Architekt und Designer, Bildhauer und Grafiker, Maler, Modegestalter und Filmemacher, alles trifft zu. Ein Einzelgänger, der schwer einzuordnen ist, weil es in seinem Leben stets den Gedankenaustausch, Kontakte zu Künstlern gab.
Die 60er-Jahre prägten, in Köln lebte die Kunstrichtung auf. Damals entstanden Möbel der ganz eigenen Art, schief waren sie, verzerrt, hatten aber das Zeug zum Markenzeichen. Und so sind sie auch in der Magdeburger Exposition ständig präsent, die Stühle mit gekrümmten Beinen, reduziert auf wenige Teile, angepasst an Ecken. Stefan Wewerka hat Freude am Fabulieren, es scheint etwas Provokation dabei zu sein. Trotzdem gibt es Stücke wie einen Einschwinger, die es wie andere Möbel bis zur Produktionsreife brachten.
Verzerrungen, das Verlassen der scheinbar normalen geometrischen Alltagsformen spielen auch in Objekten und Bildern eine Rolle. Beleg dafür ist ein Attachékoffer von 1969/70. Nicht nur der erscheint als Rhombus, der gesamte Inhalt wie Briefe, Dokumente und Schreibblock passen sich dieser Form an. In der gleichen Vitrine findet sich das klappbare Fünf-Mark-Stück, eine Erfindung Wewerkas. Sein einfallsreicher Fingerzeig auf eine Zeit des Wohlstands fand den Weg nach Magdeburg.
Dann sind da seine Kathedralen aus der Mitte der 80er-Jahre. Die detailgetreuen Radierungen zerteilen die Gotteshäuser, setzen sie neu zusammen, lassen den rechten Winkel teilweise verschwinden. Das Interesse an Kathedralen mag er auf dem Magdeburger Domplatz gefunden haben. Dort entstand bei Besuchen mit Vater Rudolf wohl die Begeisterung für Architektur. In diesem Jahr saß er mehrmals an gleicher Stelle, es entstanden die Ideen für eine "Otto-Säule".
Stefan Wewerka ist zurück. Die mehr als 80 Werke aus allen Schaffensphasen und den unterschiedlichsten Betätigungsfeldern vermitteln Eindrücke von einem unruhigen Geist, einem Multitalent. Im Umfeld der Ausstellung wurde viel von einer neuen Heimstatt für das künstlerische Erbe eines vielseitigen Mannes mit seinen spannenden Ideen und Ansichten gesprochen. Ein Wewerka-Archiv scheint möglich. Die ersten Weichen sind gestellt.
Die Ausstellung ist bis zum 31. Januar 2014 zu sehen.