Alexander Netschajew TdA-Intendant ab 2012 Vor schwierigem Spagat zwischen Kunst und Geld
Von Frank Eckert
Stendal. Alexander Netschajew kam mit Geleit. Der neue Intendant ab der kommenden Spielzeit 2012/2013 am Theater der Altmark in Stendal ist gestern von Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) präsentiert worden. Viel Vorfreude drang bei dem Verwaltungschef der Hansestadt im Norden Sachsen-Anhalts bereits jetzt, ein knappes Jahr vor dem Engagementbeginn Netschajews, durch. "Er soll die künstlerische Qualität des Theaters halten und auch weiterentwickeln", sagte Schmotz an Netschajew gerichtet. Dass das dann bis an die Grenzen der Machbarkeit geht, weiß Schmotz, der gelernte Finanzfachmann, auch. "Es wird ein schwieriger Spagat zwischen Kunst und Geld werden", sagte der CDU-Mann.
Netschajew, der zuletzt bis Ende 2008 Leiter des Stadttheaters im bayerischen Landsberg am Lech war, setzt auf Schmotz, den bekennenden Bühnenfreund. "Der Zuschuss für das Theater wird voraussichtlich nicht nach oben gehen und – so Gott will – auch nicht nach unten." Derzeit kommen aus Stendals Haushalt eine knappe Million, vom Landkreis knapp 500000 und vom Land Sachsen-Anhalt etwa 1,5 Millionen Euro für die Spielstätte. Der gebürtige Berliner Netschajew mit russischen Wurzeln, der in Bayern am Starnberger See aufgewachsen ist, kennt die schwierigen Landschaften zwischen Kultur und Politik, zumal Kommunalpolitik. In München verhalf er zwischen 2004 und 2007 der Pasinger Fabrik, dem kleinsten Opernhaus Münchens, zu einer gelungenen Renaissance. In Landsberg endete die Zusammenarbeit hingegen nach nur einem Jahr Ende 2008. Damals hatten sich Netschajew und Kommunalpolitiker aller Parteien nicht mehr viel zu sagen. Man stritt sich um Inhalte, Geld und um die grundsätzliche Ausrichtung des Hauses. Das liegt drei Jahre zurück. "Wir haben uns längst wieder zusammengefunden. Das zeigt auch, dass ich in Landsberg zuletzt wieder gespielt und inszeniert habe."
In Stendal soll es keinen Neuanfang, sondern eine Fortführung Netschajews Arbeit geben. Sein Thema: die Heimat. Ein so vielsagender wie vielschichtiger Begriff. Der 42-Jährige beschreitet damit – gewollt oder ungewollt – einen kontinuierlichen Weg. Denn in der Spielzeit 2010/2011 wandelte das Theater der Altmark mit dem Spielzeitmotto "Land in Sicht" auf jenen heimatlichen Pfaden. Für den aktuellen Intendanten Dirk Löschner wurde das die gelungene Eintrittskarte in die Altmark. Für Netschajew muss das kein Nachteil sein. Sein Vertrag in Stendal läuft ab Sommer 2012 über fünf Jahre. Meinung