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Anhaltisches Theater Dessau zeigt "Des Teufels drei goldene Haare" Wenn die Großmutter in der Hölle rappt

Von Helmut Rohm 24.11.2012, 01:12

Die Besucher der Märchenpremiere im Anhaltischen Theater Dessau feierten am Donnerstag mit stürmischem Beifall die Akteure. Regisseur Andreas Rebschuh hat "Des Teufels drei goldene Haare" der Gebrüder Grimm in einer eigenen Fassung inszeniert.

Dessau-Roßlau l Sieben Schauspieler machen in 17 Rollen erlebbar, wie sich für das Glückskind Jakob eine Weissagung erfüllt und er schließlich seine geliebte Prinzessin Bella heiraten darf. Auf der Reise ins Glück, gespickt mit vielen Abenteuern, stellt Andreas Rehschuh dem jungen Jakob (souverän Patrick Rupar) die für die anderen unsichtbare Puppe Jimini Mascotti (köstlich turbulent Jan Kersjes) zur Seite.

Die fantasievolle Bühne (Lina Busse) verwandelt sich wie von Geisterhand in die verschiedenen Szenenorte, verzaubert dabei mit vielerlei technischen Effekten. Da ist das geheimnisvoll anmutende Räuberversteck, in dessen Zentrum ein uriger alter hohler Baum mit allerlei "Sonderausstattungen" thront. Von der Erde führt über Treppen der Weg in die höllische Unterwelt mit schaurig flackernden Feuern in Öfen, über die Nebelschwaden ziehen.

Eigens für diese Inszenierung komponierte Gundolf Nandico eine die Märchenwelt bereichernde Musik. Grit Walther steckt die Akteure in wunderschöne farbenfrohe, oft auch satirisch überhöhte Kostüme mit prachtvollen Rokoko-Perücken, deren Anblick allein schon das Publikum begeistert.

Die sieben Darsteller laufen mit spürbarer Spielfreude zu großer Form auf, beweisen sich als wahre Komödianten, die jeder Rolle eine unverwechselbare Prägung verleihen.

Die gut zwei Stunden liefern dem Publikum durchweg großen Spaß. Die Dialoge sind sehr unterhaltsam, bergen hier und da auch gelungene unaufdringliche Anspielungen auf Heutiges. Köstlich gebärdet sich Hans-Jürgen Müller-Hohensee als König Klaus-Peter, der von zwei liebdienerischen Ministern (eindrucksvoll überdreht Stephan Korves und Thorsten Köhler ) umgeben ist. Er trägt ein Geheimnis mit sich und wird von Mutti Königin gegängelt.

Als Kevin bildet er zusammen mit Karl (Jenny Langner), Roderich (Thorsten Köhler), Horscht (Stephan Korves) und Antje Weber als Chefin Baba eine illustre Räuberbande, die auch einen für Jakob "lebenserhaltenden" Brief umformuliert.

Auf seinem gefahrvollen Weg in die Hölle, um des Teufels drei goldene Haare zu holen, begegnen Jakob und Jimini Wächtern am versiegten Brunnen und am ausgedorrten Apfelbaum sowie einen an das Boot "gefesselten" Fährmann.

In der Hölle lebt der dickliche kindische naive Teufel (Hans-Jürgen Müller Hohensee). Das Sagen hat jedoch des Teufels Oma (Antje Weber), die ihrem Enkel einen vom Publikum begeistert mitgeklatschten hinreißenden Rap als Einschlaflied präsentiert.

Jakob setzt auf die Eitelkeit der Großmutter. So kommt er an die Haare und erfährt in dieser aktionsreichen Handlung auch die Lösungen der drei Unbilden.

Erfolgreich kehrt Jakob ins Schloss zurück. Bella freut sich. Der König ist zuerst entsetzt, doch als er mitgebrachtes Gold sieht, führt ihn seine Gier zum Job des ewigen Fährmanns. Zum Märchenende ist alles gut.

Es ist auffallend, dass hier die Frauen, ob als Königsmutter, Räuberanführerin, des Teufels Großmutter oder als Prinzessin, das Sagen haben, gewissermaßen die Frauenquote schon erfüllt ist. Aber - es ist eben nur ein Märchen.

Die nächsten Aufführungen sind am 27. November (10 Uhr), 28. November (9 Uhr) und am 30. November (10 Uhr).