In Köln gibt eine Ausstellung Einblicke in die Museumsarbeit Wie man der Geschichte Geheimnisse entlocken kann
Von Christoph Driessen
Köln (dpa). In Köln stellt sich ein Kunstmuseum selbst in den Mittelpunkt einer Sonderausstellung: Wie beleuchtet man ein Gemälde? Was treibt ein Kurator? Und was soll das Ganze eigentlich?
Das hat man auch nicht alle Tage: Ein Museumsdirektor präsentiert eine Sonderausstellung – und bekennt sich dazu, dass ihm nicht ganz wohl dabei sei. "Es ist einem ja fast ein bisschen peinlich, sich selbst auszustellen", meinte Andreas Blühm, Direktor des Kölner Wallraf-Richartz-Museums, bei der Eröffnung von "Tat Ort Museum". Zu seinem 150-jährigen Bestehen gewährt das Haus bis zum 25. September einen Blick hinter die Kulissen des Museumsbetriebs.
Sammeln, Forschen, Bewahren, Ausstellen und Vermitteln – so heißen die verschiedenen Stationen. Sammeln kann ein städtisches Museum wie das Wallraf angesichts leerer Kassen heute nur noch dank seiner Spender. Dieses Jahr kam ein Claude-Monet-Gemälde dazu, das von der Besitzerin aus Angst vor Dieben jahrzehntelang in einer Pappschachtel auf dem Speicher versteckt worden war.
Das Thema Forschen gibt besonders viel her. "Wir kriegen immer wieder etwas Neues heraus", sagt Blühm. So durchleuchtet eine Infrarot-Kamera ein großes Gemälde von Gustave Courbet. Es zeigt eine Frau, die bei einer Tasse Tee auf der Terrasse sitzt. Der Blick durch die obersten Farbschichten enthüllt: Neben ihr saß mal ein Herr, der aber später übermalt wurde. Gab‘s da Krach, wurde da jemand nachträglich ausgeblendet? Darüber kann jeder selbst fantasieren.
Stichwort "Bewahren": Da steht das völlig vermackte Barockbild "Alte Frau und Junge" auf der Staffelei, es muss restauriert werden. Bei der Gelegenheit fanden die Forscher heraus: Der braune Umhang der Frau war früher blau, aber im Laufe der Zeit hat sich das verwendete Bindemittel chemisch verändert. Das ist keine Ausnahme – so manches Bild sieht heute ganz anders aus als der Künstler es wollte.
Beim Thema "Ausstellen" geht das Wallraf seit einigen Jahren ungewöhnliche Wege. So stehen in der ständigen Ausstellung vor einer großen Bilderserie aus dem Mittelalter eine Reihe Kinosessel, weil man diese Werke als die Bildfantasien ihrer Zeit betrachten könnte.
Rechenschaftsbericht in Zeiten knapper Mittel
Aber auch von so einfachen Dingen wie der Beleuchtung hängt viel ab, wie die Ausstellung zeigt: Je nachdem wie gut die Lampen sind, werden die Farben zum Leuchten gebracht oder alles bleibt so verschattet, dass man kaum hinschaut.
Das Vermitteln der Kunst lebt von der Wechselwirkung. Hier lernen die Museumsleute auch von den Besuchern: "Kinder haben einen anderen Blick", meint Blühm. "Die machen uns auf Dinge aufmerksam, für die wir betriebsblind sind."
So hätten schon viele junge Besucher intuitiv wahrgenommen, dass die Atmosphäre auf einem Familienporträt der Biedermeierzeit alles andere als entspannt ist. Hier hat der junge Maler Carl Begas seine eigene Familie verewigt – und mit seinem Vater hatte er ziemlichen Krach.
Schüler aus Bonn und Köln sind mit einer eigenen Schau vertreten. Sie haben bestimmte Bilder aus dem Bestand ausgewählt und das jeweilige Thema in eigenen Fotos aufgegriffen. Plötzlich scheint das Porträt einer Wienerin des 19. Jahrhunderts mit Trauerschleier das heute so vertraute Bild einer jungen Türkin mit Kopftuch vorwegzunehmen.
So ist die Ausstellung gewiss keine Nabelschau geworden – eher ein Rechenschaftsbericht in einer Zeit immer knapper werdender Mittel.