Zersägt, übermalt, weggewischt: Wenn Kunst verkannt wird
Nürnberg (dpa) - Kunst oder Abfall? Nicht jeder Zeitgenosse hat genügend Sachverstand, um diese Frage zu beantworten. Die Folgen für das Kunstwerk und seinen Schöpfer sind mitunter verheerend.
Einige Beispiele:
- Eine Installation aus goldfarbenen Rettungsfolien hielt eine Putzfrau für Müll - und warf Teile davon im Januar 2016 kurzerhand in die Tonne. Thema des Kunstwerks in einer Mannheimer Kirche: Menschen in Not auf der Suche nach einer Unterkunft.
- Weil im Jahr 2013 eine Pferdeskulptur die Garage eines Nürnberger
Rentners blockierte, ließ er sie kurzerhand zersägen und entsorgen.
Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Nürnberg musste er
dem Künstler dafür 23 300 Euro plus Zinsen zahlen.
- Einer 80-Jährigen aus dem Städtchen Borja in Spanien fiel 2012 auf,
dass an einem Jesus-Bild in ihrer Kirche die Farbe abbröckelte. Die
Hobby-Restauratorin griff zum Pinsel - und machte aus dem Gemälde von
1930 eine Art expressionistischen Igel-Menschen. Zehntausende
Touristen strömten seither in die nordspanische Kleinstadt, um das
Kunstwerk zu bewundern.
- Im Sommer 2011 ließ der Vorsitzende eines muslimischen
Kulturzentrums in Bristol (Großbritannien) die Wand des Vereinsgebäudes säubern. Pech nur, dass eines der störenden Graffitis von dem international bekannten Street-Art-Künstler Banksy stammte.
- In einem Dortmunder Museum schrubbte eine Putzfrau 2011 den
weißlichen Kalkfleck an dem Holzplattenturm Wenn's anfängt durch die
Decke zu tropfen von Martin Kippenberger (1953-1997) weg. Sie
empfand ihn offenbar als störend. Die Museumsrestauratorin hielt das
Werk für nicht wiederherstellbar.
- Ähnliches widerfuhr der Fettecke von Joseph Beuys (1921-1986).
Der Hausmeister kratzte das berühmte Kunstwerk 1986 in der Düsseldorfer Kunstakademie einfach weg.