Puppentheater Magdeburg beginnt seine neue Spielzeit mit "Marleni" Zwei Diven treffen sich
Im Mai musste die Premiere des Stückes "Marleni" von Thea Dorn verschoben werden. Nun eröffnet das Magdeburger Puppentheater die neue Spielzeit am 17. September mit diesem Stück. Es ist als Bühnendrama geschrieben, 2000 in Hamburg uraufgeführt und wird seitdem weltweit gespielt.
Von Liane Bornholdt
Magdeburg. In Deutschland wurde vor allem die Hörspiel- bzw. Hörbuchfassung mit Gisela May und Gisela Uhlen bekannt. Magdeburg bringt das Stück erstmalig auf die Puppenbühne. "Preußische Diven blond wie Stahl", so heißt das Stück im Untertitel, und damit entschlüsselt sich auch das Kunstwort des Titels. Es geht um Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl, und Thea Dorn hat diese preußischen Diven, beide etwa gleichaltrig, die Dietrich ist Jahrgang 1901, Leni Riefenstahl 1902, sich begegnen lassen. In Wirklichkeit trafen sie sich nie.
Diese fiktive Begegnung findet an Marlenes Todestag, am 6. Mai 1992, in deren Pariser Wohnung statt. Frank A. Engel, der das Stück im Puppentheater Magdeburg inszeniert und auch die Bühne geschaffen hat, lässt Marlenes Bett im Mittelpunkt erscheinen. Die Dietrich hat ja in Wirklichkeit dieses Bett in ihren letzten Lebensmonaten nicht mehr verlassen und sich nicht mehr gezeigt.
In Thea Dorns Stück dringt Leni Riefenstahl in Marlene Dietrichs Pariser Wohnung ein, um diese zu einem letzten gemeinsamen Filmprojekt zu überreden. In Wirklichkeit hat die Riefenstahl nach 1945 keine Filme mehr gedreht. Im Stück entfaltet sich ein Dialog, in dem die Lebenswege der beiden Diven zur Sprache kommen, in dem es um Kunst und Politisches geht, um Männer, um Erfolg und Scheitern. Es zeigt sich, dass die beiden so verschiedenen Frauen, die auch auf verschiedenen politischen Seiten standen oder dorthin gestellt wurden, sehr viele Ähnlichkeiten haben. In der Hörspielfassung des Stückes heißt es im Untertitel "Ein deutsches Schwesternmärchen".
Margit Hallmann und Susanne Søgaard werden diesen Dialog sprechen und die lebensgroßen Puppen führen.
Erstaunlich genaue Puppen-Porträts
Diese Puppen waren in den Proben im Sommer bereits zu sehen, und sie sind etwas Besonderes. Die Puppen- und Kostümbildnerinnen Kattrin Michel und Kerstin Schmidt haben Porträts der beiden gealterten Diven geschaffen, die erstaunlich genau sind, die alle Details zeigen, die Spuren der Lebenswege beider.
Sie zeigen aber auch, dass beide Kunstfiguren sind, die ihre Kunst aus dem eigenen Körper schöpften. Genau das waren sie auch im wirklichen Leben. Am Lebensende aber lässt sich dies nun nicht mehr aufrechterhalten.
Für die Spielerinnen ist dies eine große Herausforderung, denn sie müssen die vielen subtilen Feinheiten im Text und in der Bewegung der Puppen ausdrücken. Sie müssen die Gegensätzlichkeiten und Gleichheiten der beiden Grand Dames der deutschen Filmgeschichte zeigen, die Widersprüche zwischen den Eitelkeiten und den Realitäten des Alters, und dies alles auf dem schmalen Grat zwischen Realität und Fiktion. Frank A. Engel versucht, dem Stück neben lebensphilosophischem Tiefsinn auch eine gute Portion Humor zu geben, und er muss zeigen, dass das Spiel mit den Puppen diesem Stück eine künstlerische Dimension gibt, die über den bloßen Text hinausgeht.
Premiere im Puppentheater Magdeburg ist am 17. September um 20 Uhr.