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  7. Magdeburg und Sachsen-Anhalt: Öffentlicher Nahverkehr im Fokus - Deutschlandticket als Lösung?

Familienleben in Sachsen-AnhaltBeleuchtete Radwege und lahme Verbindungen: Bus & Bahn im Check

Magdeburg überzeugt erneut: Die neuesten Umfrageergebnisse zum Öffentlichen Nahverkehr in Sachsen-Anhalt sind da. Wer sind die Gewinner und Verlierer?

Von Jens Schmidt Aktualisiert: 18.10.2023, 10:16
Wie gut ist die Bahn? Für Bewohner in den Dörfern sind gut ausgebaute Anfahrtswege zum Bahnhof entscheidend.
Wie gut ist die Bahn? Für Bewohner in den Dörfern sind gut ausgebaute Anfahrtswege zum Bahnhof entscheidend. IMAGO/Jochen Tack

Magdeburg - In Halle und Magdeburg bekommt der Öffentliche Nahverkehr gute Noten, in der Altmark und vor allem im Süden Sachsen-Anhalts geben die Leser im Schnitt nur eine Vier. Das ergab die große Familien-Umfrage von Volksstimme und Mitteldeutscher Zeitung. 12.000 Leser nahmen daran teil.

Wir machen die Probe. Die Gemeinde Lützen (Burgenlandkreis) trägt in der Kategorie Nahverkehr die rote Laterne. Bei der Frage nach den Nahverkehrszeiten erreicht die Gemeinde einen Zensurenschnitt von 4,4.

Lützen kämpft: Herausforderungen und Verkehrsverbindungen

Wir suchen im Mobilitätsportal eine Verbindung von Lützen nach Halle (Hauptbahnhof) – gewünschte Ankunft zirka 7.30 Uhr. Resultat: Zunächst geht es mit dem Bus nach Markranstädt, dann mit dem Zug weiter nach Großkorbetha – und von dort schließlich mit einem weiteren Zug nach Halle.

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Die kleine Weltreise mit zwei Umstiegen dauert mehr als anderthalb Stunden. Mit dem Auto braucht man für die 35 Kilometer nur halb so lang. Die schlechte Zensur ist berechtigt.

Ergebnisse aus der Leser-Umfrage.
Ergebnisse aus der Leser-Umfrage.
PrePress Media Mitteldeutschland

Landesregierung reagiert: Strategien für bessere Anbindungen

Da Busse wegen vieler Stopps oft langsam sind und nicht jede Gemeinde einen Bahnanschluss erhalten kann, setzt die Landesregierung auf Schnittstellen: Das sind im Wesentlichen Bahnhöfe mit ausreichend Parkplätzen.

Die Idee: So können Pendler mit dem Pkw ein paar Kilometer zum Bahnhof fahren, um dort in die Bahn umzusteigen. Dieses Jahr werden Schnittstellen in Dodendorf und Weißenfels fertig. Nächstes Jahr sollen weitere sechs freigegeben werden. Für die geplagten Lützener ist so schnell keine Linderung in Sicht: Erst in den 30er Jahren soll die Bahnanbindung besser werden.

Bismark überzeugt: Positive Beispiele und moderne Infrastruktur

Ein anderer Fall ist Bismark. Die Gemeinde im Landkreis Stendal erhielt mit 4,2 die schlechteste ÖPNV-Bewertung im Norden Sachsen-Anhalts.

Die Region ist mit dem Regionalexpress sehr gut an die Landeshauptstadt angeschlossen. Der nächstgelegene Bahnhof in Hohenwulsch liegt mit gut drei Kilometern Entfernung zwar nicht gleich um die Ecke – er bietet jedoch einen gut ausgebauten Parkplatz.

Und die Krönung: Bis zum Bahnhof führt ein beleuchteter Radweg – die Lampen gehen bei Dunkelheit an, sobald sich ein Radfahrer nähert. „Die schlechte Benotung ist für mich nicht nachvollziehbar“, sagt Bürgermeisterin Annegret Schwarz. Die Bahn braucht bis Magdeburg Hauptbahnhof 63 Minuten – schneller ist man mit dem Auto auch nicht.

Deutschlandticket lockt: Kostenvorteile und Meinungen der Pendler

Kritisch bewertet werden auch die Preise. 42 Prozent der Leser sagen, dass ihnen die Nahverkehrstickets zu teuer sind. Nun gibt es seit diesem Jahr für Pendler eine lukrative Möglichkeit: das Deutschlandticket für 49 Euro im Monat.

Das ist meist deutlich günstiger als die alten Jahreskarten. Mehr noch: Dank Pendlerpauschale (die es auch für ÖPNV-Pendler gibt), haben Vielfahrer am Jahresende mehr heraus als sie fürs Deutschlandticket bezahlt haben.

Das Deutschlandticket wirkt: Es fahren mehr Menschen mit dem Zug.
Das Deutschlandticket wirkt: Es fahren mehr Menschen mit dem Zug.
PrePress Media Mitteldeutschland

Politische Perspektiven: Lydia Hüskens plädiert für stabile Preise

Beispiel: Wer werktäglich von Stendal nach Magdeburg mit der Bahn pendelt, zahlt fürs Deutschlandticket im Jahr 588 Euro. Bei einem durchschnittlichen Steuersatz erhält man 818 Euro vom Finanzamt zurück.

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Verkehrsministerin Lydia Hüskens (FDP) plädiert dafür, dass der Preis fürs Deutschlandticket „auch 2024 stabil bleibt“.