Sevilla (dpa) - Wenn auf der Straße nicht gefeiert werden darf, dann tanzen die Sevillaner den Flamenco eben auf dem Balkon.

Zum Auftakt der "Feria de Abril", einem der bekanntesten Volksfeste Spaniens, leuchteten in der Nacht zum Sonntag an vielen Häusern der andalusischen Stadt Lichterketten und die berühmten "farolillos", runde Faltlaternen aus Papier. Bürger sangen und tanzten an Fenstern und auf Terrassen, viele trugen traditionelle Flamenco-Trachten.

"Tres, dos, uno...", zählten die Menschen die letzten Sekunden vor Mitternacht herunter, dann gingen auf den Balkonen die Lichter an und die Party konnte - trotz der Corona-Krise - starten. Die Feria sollte wegen der Pandemie ursprünglich auf September verschoben werden, war aber kürzlich ganz abgesagt worden. Im besonders stark von dem Virus betroffenen Spanien gilt seit Mitte März eine strikte Ausgehsperre.

Immer zwei Wochen nach Ostern herrscht in der Stadt eine Woche lang Ausnahmezustand. Gefeiert wird die Aprilmesse von Sevilla normalerweise vor allem auf dem Festgelände im Viertel Los Remedios. In zahlreichen Festzelten und Buden wird getrunken, gesungen und getanzt, Kutschen und geschmückte Pferde halten Paraden ab und Frauen in Rüschenkleidern flanieren durch die Straßen. Die auch bei vielen Touristen beliebte Sause endet immer mit einem großen Feuerwerk.