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Outdoor-Abenteuer Sport mit Hund: Von Geocaching bis Kanutour

Täglich nur die kleine Gassi-Runde um den Block? Das ist langweilig und nicht sehr gesundheitsfördernd - sowohl für Zwei- als auch Vierbeiner. Wie die gemeinsame Zeit sportlicher und spannend wird.

Von Katja Sponholz, dpa 04.03.2026, 00:05
Nasser Spaß auf vier Pfoten – Hunde genießen das Abenteuer auf dem SUP-Board.
Nasser Spaß auf vier Pfoten – Hunde genießen das Abenteuer auf dem SUP-Board. Christophe Gateau/dpa/dpa-tmn

Trier/Neuss - Wer beim Stichwort „Sport mit Hund“ nur an Agility denkt oder an Vierbeiner, die hechelnd neben dem Rad herlaufen, kennt längst nicht alles. „Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, sich mit seinem Hund aktiv zu betätigen“, sagt Verena Helfrich, langjährige Hundetrainerin und Autorin („Outdoor-Abenteuer mit Hund“).

Selbst in Kanus oder beim Standup-Paddling können Hunde heute im wahrsten Sinne des Wortes mit an Bord sein. Doch keine Sorge: Auch für Hunde (und Besitzer), die nicht ganz so sportlich oder schon etwas älter sind, gibt es tolle Ideen.

Bedürfnisse entscheidend für die Auswahl

Bestimmte Hunderassen sind von Outdoor-Aktivitäten nicht grundsätzlich ausgenommen. „Theoretisch kann man mit jedem Hund so etwas machen - außer, gesundheitliche Gründe sprechen dagegen“, sagt Helfrich. 

Eher kommt es darauf an, was man genau erleben will und ob die sportlichen Ziele passen - zu einem selbst als auch der Fellnase. So macht es laut der Expertin bei der Auswahl des geeigneten Sports aber sicher einen großen Unterschied, ob man etwa einen Malinoi oder einen Basset hat.

Beispiel Malinoi: „Tendenziell kommen für ihn ganz viele Arten von Sport infrage - auch an sehr aktionsreichen Sporterlebnissen mit Hindernislaufen könnte er sicher teilnehmen. Vorausgesetzt, er mag es und man selbst möchte sich auch sportlich herausfordern“, sagt Helfrich. 

Auch das ist eine Grundvoraussetzung für die gemeinsame Action unter freiem Himmel: „Wenn wir eine Beschäftigung für den Hund suchen, muss es auch dem Menschen Spaß machen.“ Sonst wird es für beide nicht schön, weil sich die schlechte Stimmung auf das Tier überträgt.

Geocaching und Nachtwanderung

Wer nicht gerne wie wild durch die Gegend rennt und Hindernisse überwindet, für den ist eine Wanderung mit Geocaching eine gute Alternative. Fremde Routen kennenzulernen, sei auch für den Hund etwas Neues und super Spannendes, bei dem er gerne mitsucht, so Helfrich.

Doch auch für den „Typ Bassett“ oder alte Hunde kann es viel mehr geben als die tägliche Gassi-Runde um den Block. Auch mit ihnen sind kleine Mikro-Abenteuer vor der Haustür möglich, etwa:

  • eine Nachtwanderung
  • ein Spaziergang zum Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang
  • ein Weg, den man noch nie zuvor gegangen ist

„So kann man sich ein bisschen Abenteuerlust nach Hause holen, ohne dass man gleich eine Extremsportart machen muss“, sagt Hundetrainerin Helfrich.

Auch Standup-Paddling macht müde

Sie selbst genießt es, mit ihren drei Hunden Standup-Paddling zu betreiben. Und auch die Vierbeiner mögen das: „Sie lieben es einfach, auf dem Board zu sein, in der Gegend rumzuschauen und ihre Nasen in den Wind zu halten.“ 

Nach einer solchen Tour seien auch die Hunde müde - obwohl sie körperlich eigentlich nichts gemacht haben. „Einfach durch die vielen Eindrücke, die sie haben. Und weil man natürlich zwischendurch auch mal anlegen kann und sie rumlaufen können.“

Doch anders als beim Wandern oder Geocaching sollte man hier einige Vorsichtsmaßnahmen beachten: Auch Hunde, die gerne schwimmen, müssen nach Ansicht der Trainerin eine Schwimmweste tragen. 

Auch das Wetter im Sommer sollte man nicht unterschätzen: Wenn die Sonne scheint und auf dem Wasser reflektiert, kann es für die Vierbeiner auf dem Brett schnell sehr warm und unangenehm werden. Dann öfter mal schattigere Bereiche suchen und gemeinsam eine Pause machen.

Kanu-Tour mit Hund sorgt für Spaß

Mehr Action bringt eine Kanu-Tour mit Hund. „Das Allerwichtigste ist jedoch, dass es nicht darum geht, eine bestimmte Anzahl von Kilometern zu paddeln, sondern dass Hund und Besitzer Spaß haben“, sagt Birgit Imhof, die solche „Schnauzentrips“ anbietet - immer in Begleitung eines Kanu-Wanderführers und entsprechenden Hundetrainern.

Denn gerade bei diesem Sport gilt: Nicht für jeden Hund ist er auch wirklich geeignet. „Vor allem muss man schauen, ob das altersmäßig passt und ob es ihm zumutbar ist“, sagt sie. Weder sollte ein Welpe zu lange auf dem Boot sein, noch sollte der Vierbeiner Arthrose oder andere Einschränkungen haben.

Auch wenn Hund und Halter körperlich geeignet sind, heißt das nicht, dass es für alle ein Vergnügen wird: „Manchen Hunden ist es einfach zu eng und zu wacklig, oder die Bindung zwischen Halter und Hund ist dafür nicht perfekt“, sagt Birgit Imhof.

„Und manchmal ist der Mensch panisch und traut das seinem Hund nicht zu - und dann spiegelt dieser die Angst seines Besitzers.“ Sie rät: Wenn man nach einigen Minuten spürt, dass man nicht zur Ruhe kommt, sollte man im Zweifel lieber aussteigen. Dann lässt sich immer noch ein toller Spaziergang am Wasser einbauen.

Auch Wackel-Tour kann Sicherheit geben

Für viele Vierbeiner sei ein Ausflug auf dem See oder Fluss jedoch eine tolle Sache: „Viele finden das total spannend. Und wenn sich die Schwimmbegeisterten zwischendurch auch noch abkühlen und bewegen können, sind sie richtig begeistert.“

Für unsichere Hunde kann die Herausforderung, im Boot mitzufahren, auch einen positiven Effekt haben. „Wenn sie vorher vielleicht Probleme hatten bei allem, was wackelt, kann es sogar einen guten Lerneffekt geben, dass sie sich auch in anderen Situationen künftig sicherer fühlen“, sagt Imhof. Vorausgesetzt, die Tiere wurden gut und ruhig an das Kanu herangeführt.

Zughundesport: Kondition langsam aufbauen

Wer sich selbst körperlich fordern möchte, für den gibt es neue Varianten zum herkömmlichen Joggen und Fahrradfahren in Form von Zughundesport:

  • Canicross (Mensch läuft, Hund zieht ihn mit Zuggeschirr an einer elastischen Leine),
  • Bikejöring (Zweibeiner auf dem Fahrrad, Vierbeiner vorn im Zug)
  • Dogscooter (ähnlich wie Bikejöring, nur mit einem Tretroller). 

„Wichtig ist, dass Mensch und Hund gemeinsam Kondition aufbauen, indem man mit kleinen, kurzen Einheiten anfängt“, sagt Verena Helfrich. Auch auf die richtige Ausstattung mit einem guten Zughundegeschirr und einer Ruckdämpferleine kommt es an. 

Aber: Bei hohen Temperaturen im Sommer ist von diesen Aktivitäten dringend abzuraten. Im schlimmsten Fall droht ein Hitzschlag beim Hund.

Abwechslung in den Spaziergang holen

Auch ohne Zeit für große Ausflüge lässt sich das tägliche Gassigehen abwechslungsreicher und sportlicher gestalten. Ein Spaziergang eignet sich auch wunderbar als Bewegungstraining mit Hund, so die Hundetrainerin. 

So kann man den Vierbeiner über einen liegenden Baumstamm springen oder darauf balancieren lassen. Am Anfang sollte man Helfrich zufolge einen dicken Stamm wählen, der nicht rutschig ist und das dann steigern.

Eine solche Balance-Übung sei nicht nur für die Koordination wichtig, sondern trainiere auch die unterschiedlichen Muskelgruppen. Auch für ältere Hunde kann man schöne Übungen machen, wenn man gemeinsam unterwegs ist. Wie wäre es mal mit Slalom um die Beine oder um den Fahrradständer?

Beziehungsarbeit durch Gemeinschaft

Ob kleines Abenteuer vor der Haustür oder große Action auf dem Fluss: das Entscheidende ist, dass Mensch und Hund bewusst gemeinsam Zeit verbringen, miteinander in Kontakt sind und nicht nur nebeneinander herlaufen.

Die beiden Hundebesitzerinnen Verena Helfrich und Birgit Imhof sind sich einig: Die Hund-Mensch-Beziehung werde durch solche Gemeinschafts-Erlebnisse auch langfristig viel enger.