Trend zu mehr Individualität bei der Grabsteingestaltung

"Zeitreise" auf dem Friedhof

Bonn. Vom schlichten Granit bis zum aufwendigen Grabmal – groß ist die Bandbreite bei der Gestaltung von Gräbern und Grabsteinen. Heute gehen die Steinmetze beim Entwurf eines Grabsteins immer häufiger auch auf die Persönlichkeit und die besonderen Interessen der Verstorbenen ein.

Ein Spaziergang über den Friedhof ist immer auch eine Reise in die Kulturgeschichte, sagt Hans Möhle, Mitglied im Vorstand der Innung der Bildhauer und Steinmetze Bonn/Rhein-Sieg und Oberbergischer Kreis. Die ersten überlieferten Bauten der Menschheitsgeschichte seien Gräber gewesen. "Schon die Neandertaler haben ihre Verstorbenen in Gruben beigesetzt und diese Gruben dann mit Steinen gekennzeichnet." Von dort führt die Entwicklung von den ägyptischen Pyramiden über die mittelalterlichen Kirchhöfe bis zu den Friedhöfen unserer Zeit. "Über alle Kulturen hinweg scheint es ein Urbedürfnis der Menschen zu sein, ihre Toten in Würde beizusetzen und einen Ort des Gedenkens zu schaffen", betont Möhle. Dabei sei der Stein auch ein Symbol mder Unvergänglichkeit.

Bei vielen Grabsteinen lässt sich schon anhand der verwendeten Materialien und der Gestaltung auf die Epoche ihrer Entstehung schließen. Derzeit werden etliche Grabsteine ,als elegante Stele entworfen, zudem kommen häufiger als früher aussagekräftige ,Symbole zum Einsatz. Auch bei den Materialien gebe es inzwischen eine große Bandbreite, sagt Möhle weiter: "Die Zeiten, in denen fast ausschließlich auf lndustriesteine gesetzt wurde, sind vorbei."

Für ihn gehören neben dem Namen auch die Lebensdaten der Verstorbenen auf den Stein. In dessen Gestaltung können sich auch ihre besonderen Eigenschaften widerspiegeln: "Als Steinmetze kombinieren wir handwerkliches Können mit künstlerischer ,Kreativität. Ich kann Angehörige daher nur ermutigen, ihre Wünsche und Vorstellungen in den Grabsteinentwurf einzubringen".

Text/Fotos: Bildhauer- und Steinmetz-Innung Bonn/Rhein-Sieg
Oberbergischer Kreis