Die psychische Grenze ist schnell erreicht

Überlastung führt zu Gewalt in der Pflege

03.01.2013, 01:32

Von Christina Fischer

Berlin l Im Pflegeprozess profitieren in der Regel beide Seiten: Der Kranke, weil er, solange es geht, zu Hause bleiben kann. Der pflegende Angehörige, weil er auf diese Weise seine Liebe und Achtung zeigen und auch Genugtuung empfinden kann. Doch der Pflegealltag ist hart, und schnell sind physische und psychische Grenzen erreicht. Manchmal werden sie überschritten - doch niemand will es so richtig wahrhaben, wenn auf der einen oder der anderen Seite die Situation eskaliert.

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Gewalt in der häuslichen Pflege ist ein Tabu-Thema. Die Betroffenen schämen sich, haben Angst und fühlen sich allein gelassen. Wie geht man damit um, wenn der demenzkranke Vater die Betreuerin beschimpft? Was empfindet der Pflegebedürftige, wenn man ihm Tätigkeiten abnimmt, die er selbst verrichten könnte, nur weil es dem Angehörigen nicht schnell genug geht? Hilflosigkeit und Abhängigkeit des Patienten und Überbelastung und Vereinsamung des pflegenden Angehörigen können gewaltfördernde Faktoren sein.

Wichtig ist, dass man in der Lage ist, dergleichen zu erkennen und Rat zu suchen. Wer beispielsweise mit den aggressiven Verhaltensweisen seines demenzkranken Angehörigen nicht klar kommt, sollte sich einem Pflegeberater anvertrauen. Gesetzlich Versicherte finden Ansprechpartner bei der Pflegekasse oder bei einem Pflegestützpunkt. Den privaten Pflegeversicherten helfen die Berater der bundesweit agierenden Compass-Pflegeberatung - zu erreichen unter der kostenfreien Telefonnummer 0800-1018800. Auch die Beratung ist kostenlos. Zudem hat die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) jüngst eine Online-Datenbank veröffentlicht. Damit haben pflegende Angehörige einen schnellen Zugriff auf alle Beratungsangebote, die sich auf das Gewaltthema spezialisiert haben.

Nach ZQP-Untersuchungen ist die Pflegebereitschaft in den Familien sehr hoch - auch wenn die Voraussetzungen schwierig sind. Denn selbst aggressives Verhalten hält die meisten Pflegenden nicht davon ab, weiter zu machen. Sie benötigen aber unbedingt passende Unterstützungsangebote und eine Bezugsperson. Angehörigengruppen oder Selbsthilfekontakte dienen dem Erfahrungsaustausch. Wichtig ist es, dass die Pflegepersonen eigene Bedürfnisse noch wahrnehmen und sich Freiräume schaffen, um aufzutanken.

Hilfsangebote für die individuelle Entlastungsstrategie unter www.zqp.de