Leipzig (dpa) – Die Gemütslagen von Elisabeth Seitz und Marcel Nguyen hätten nach den deutschen Meisterschaften der Turner in Leipzig unterschiedlicher kaum sein können.

Seitz strahlte nach Titel Nummer 21 in den Einzelfinals vor 4.500 Zuschauern. Am Vorabend war Nguyen weniger die Freude über seinen siebzehnten Meistertitel, als vielmehr die vorangegangenen Strapazen anzusehen.

Mit Schmerzen hatte sich der Unterhachinger wegen einer acht Tage zuvor angebrochenen Rippe durch den Mehrkampf gequält, um sein Sechskampfergebnis für die zweite WM-Qualifikation zu dokumentieren. Seinen Start in den Einzelfinals sagte der 26-Jährige dann ab, um im Hinblick auf die Titelkämpfen in Doha/Katar in knapp vier Wochen jedes Risiko zu vermeiden. 

Schon vor dem Wettkampf hatte sich Nguyen wegen eines Wadenkrampfs nur eingeschränkt einturnen können. Dass er dabei noch mit ansehen musste, wie sein Kumpel und Bundesliga-Teamgefährte Andreas Bretschneider (Chemnitz) sich beim Einturnen einen Achillessehnenriss zuzog, hatte den 26-Jährigen zusätzlich mitgenommen. "Ich hoffe, dass er überhaupt wieder zurückkommt. Aber ich weiß auch, dass er ein Kämpfer ist", erklärte der 31-Jährige nachdenklich.

Ihren ersten Titel bei den Männern feierten Viet Thao Hoang (Berlin/Boden), Nils Dunkel (Erfurt/Pauschenpferd) und Felix Remuta (Unterhaching/Sprung). An den Ringen siegte zum zweiten Mal nach 2016 der Hannoveraner Andreas Toba. 

Weltcupsiegerin Seitz machte die deutschen Meisterschaften dagegen zu ihren Comeback-Festspielen. Mit einem Sprung in den sicheren Stand hatte sie am Samstag Teamgefährtin Kim Bui am letzten Gerät den Mehrkampftitel abgenommen. Zuvor hatten sie gemeinsam noch punktgleich auf Platz eins gelegen. "Ich wusste, wenn Du das Ding jetzt hinstellst, dann kannst Du Dich ganz nach oben auf das Podest stellen. Aber dass ich das Ding dann so hinknalle, das war schon ziemlich cool", sagte sie. Am Sonntag legte sie dann am Stufenbarren ihren 21. Meisterschaftserfolg nach. "21 ist schon verrückt, oder?", fragte die 24-Jährige.

Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer musste sich aufgrund ihrer Fußverletzung auf eine einzige Übung am Stufenbarren beschränken. Die Olympia-Dritte Sophie Scheder zeigte trotz verletzungsbedingter Einschränkungen, dass sie in jedem Fall wieder international einsatzfähig ist. Die ersten WM-Teilnehmer für die Titelkämpfe in Doha sollen die Bundestrainer Andreas Hirsch (Männer) und Ulla Koch (Frauen) nun aufgrund der Ergebnisse der beiden Qualifikationsrunden am Montag (Hirsch) und Donnerstag (Koch) benennen.

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