Heute werden auf der Leserseite vier Meinungen, die über Facebook geäußert wurden, abgedruckt und nur eine, die per Post oder E-Mail kam“, stellte ein Leser im Brief fest. Obwohl über Facebook „viel Schindluder getrieben“ werde, vermittelten wir so den „Eindruck, nur die Meinungen, die über Facebook reinkommen, sind es würdig, veröffentlicht zu werden“, lautete der Vorwurf des Leserbriefschreibers. Der darf hier nicht unwidersprochen bleiben.

Zunächst ist von dem dem Zufall geschuldeten Verhältnis von Facebook-Einträgen und „klassischen“ Leserbriefen an dem einen Tag nicht auf eine wie auch immer begründete Präferenz für gerade diese Form der Meinungsäußerung zu schließen. Vielmehr gibt die Leserbriefredaktion in der Regel den Vorzug dem per Post oder E-Mail gesandten Leserbrief mit Bezug auf und bestimmt für die gedruckte Volksstimme. Allerdings haben Meinungsäußerungen über die sozialen Netzwerke inzwischen einen anerkannten Stellenwert, so dass es aus unserer Sicht durchaus als legitim anzusehen ist, Facebook-Kommentare in der Zeitung wiederzugeben. Im Hinblick auf onlinespezifische Anforderungen an die Presseethik hatte der Deutsche Presserat als Gremium der freiwilligen Selbstkontrolle im vergangenen Jahr extra die publizistischen Grundsätze, den Pressekodex, ergänzt.

Damit wurde auch klargestellt: Die Redaktionen haben dafür Sorge zu tragen, dass kein „Schindluder getrieben“ wird – um die Worte unseres Lesers aufzugreifen. Die neue Richtlinie 2.7 betont explizit deren Verantwortung für Online-Beiträge, die von Nutzern zugeliefert werden, und dass solche Inhalte klar erkennbar sein müssen. „Die Redaktion stellt die Einhaltung der publizistischen Grundsätze sicher, wenn sie Verstöße durch Nutzerbeiträge selbst erkennt oder darauf hingewiesen wird. Sofern die Redaktion einzelne Nutzerbeiträge auswählt oder sie bearbeitet, ist die Einhaltung der publizistischen Grundsätze von vornherein sicherzustellen“, heißt es da. Und daran halten wir uns – sowohl was die Print- als auch die Online-Ausgabe angeht.