Zum zwanzigsten Mal jährt sich das Inkrafttreten der Rechtschreibreform. Mit einem Urteil, das die „Neuregelung der deutschen Rechtschreibung in den Schulen (sogenannte Rechtschreibreform)“ für verfassungsgemäß erklärte, hatte das Bundesverfassungsgericht am 14. Juli 1998 erst endgültig den Weg dafür frei gemacht. Die Kritik an dem neuen Regelwerk konnte es allerdings nicht zum Verstummen bringen.

In den Jahren 2004 und 2006 geänderte Regelungen sollten eine Brücke zwischen Reformbefürwortern und -kritikern schlagen. Und der im Jahre 2004 eingesetzte Rat für deutsche Rechtschreibung hat seither zweimal Vorschläge zur Anpassung des amtlichen Regelwerks an den allgemeinen Wandel der Sprache erarbeitet. Diese wurden in den Aktualisierungen der Jahre 2011 und 2017 veröffentlicht.

Dennoch: Die Kritik daran hält an. „20 Jahre danach gibt es neben der Rechtschreibung, in der die klassischen Werke der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts gedruckt sind, noch immer keine einheitliche Reformschreibung“, beklagt etwa der Arbeitskreis „Lesen und Rechtschreiben heute“. Selbst im 26. Duden hätten sich „noch immer zahllose Varianten“ befunden: kennen lernen neben kennenlernen, vor Kurzem neben vor kurzem, Spagetti neben Spaghetti, Kons-truktion und Konst-ruktion neben Kon-struktion und so weiter“, listet der Arbeitskreis auf.

Solche „Vielfalt“ ist natürlich auch für eine Zeitungsredaktion unerquicklich. Die Volksstimme hatte sich daher schon zeitig einige verbindliche Regeln gegeben. Diese folgten generell den gebräuchlichsten Verwendungen in den Tageszeitungsredaktionen beziehungsweise der Agenturschreibweise. Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen hatten am 1. August 2007 ihre Rechtschreibung gemäß dem 2006 nach den Vorschlägen des Rats für deutsche Rechtschreibung geänderten amtlichen Regelwerk umgestellt. Da dieses – je nach Zählweise – bei etwa 2500 Wörtern unterschiedliche Schreibweisen zulässt, legten sich die beteiligten Agenturen auf jeweils eine von ihnen fest.