Das neue Jahr ist schon gar nicht mehr so neu. Die Harzer hatten schon ihr Schlittenhunderennen – ohne Schnee, die Eisbader sind in den See gestiegen – ohne Eis – und die Volksstimme hat die „Magdeburger des Jahres“ geehrt – mit zehn Gewinnern. Es war also schon viel los und mancher gute Vorsatz für 2020 ist ohnehin schon wieder vergessen.

Alles wie gehabt zu Beginn dieses Jahres – oder besser: zu Beginn diesen Jahres, wie es oft zu hören und oft zu lesen ist? Immerhin heißt es ja auch Anfang „nächsten“ Jahres oder auch Ende „letzten“ Jahres.

Welche dieser Formulierungen – dieses oder diesen – ist denn nun richtig, welche falsch? Die Antwort liegt in der Natur der Wörter, genauer gesagt: in ihrer Art, der Wortart. Sprachexperte Bastian Sick („Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“) hat dies in einer Kolumne für die „Sprachnachrichten“ des Vereins Deutsche Sprache anschaulich dargestellt: „Nächstes“ und „letztes“ sind Eigenschaftswörter (sogenannte Attribute), denen ein Artikel vorangestellt werden kann: Statt „Anfang nächsten Jahres“ kann man auch „Anfang des nächsten Jahres“ sagen.

Das Wörtchen „dieses“ ist aber kein Eigenschaftswort, sondern ein Demonstrativpronomen. Und Pronomen werden genauso behandelt wie Artikel. Wo es „der“ heißen muss, da muss es auch „dieser“ heißen, und wo es „des“ heißt, da heißt es auch „dieses“. Dass das Pronomen „dieses“ nicht mit Eigenschaftswörtern wie „nächstes“, „letztes“ oder „voriges“ gleichgesetzt werden kann, zeigt sich daran, dass man ihm keinen Artikel voranstellen kann, erläuterte Bastian Sick.

Die korrekte Form ist also „dieses Jahres“. Wie im obigen Beispielsatz: „Alles wie gehabt zu Beginn dieses Jahres.“

Allerdings: Die Formulierung „diesen Jahres“ ist inzwischen laut Duden jedoch nicht automatisch falsch, sondern zulässig. Sie hat sich über die Jahre als feste Verbindung entwickelt, analog zur korrekten Form „jenen Jahres“. Am Ende bleibt festzuhalten: „Dieses Jahres“ ist standardsprachlich korrekt, der Gebrauch von „diesen Jahres“ durchaus statthaft.