Berlin (dpa) - Marco Kreuzpaintner lebt seit einiger Zeit in dem bayerischen Dorf Jakobneuharting bei München auf einem Bauernhof, aber auch in Berlin kennt sich der Filmemacher bestens aus, wo er zehn Jahre zu Hause war.

In der Hauptstadt spielt auch seine Amazon-Serie "Beat", wo sich seine "Streifzüge durch das Großstadt-Nachtleben" durchaus widerspiegeln, wie er im Interview der Deutschen Presse-Agentur verriet. Im Krimi-Kern geht es bei "Beat" allerdings um Organhandel.

Ein erschütterndes Thema griff der Regisseur auch bei seinen US-Debüt auf. Der Thriller "Trade - Willkommen in Amerika" (2007) dreht sich um Mädchenhandel und Sexsklaverei. Im Mittelpunkt steht die 13-jährige Adriana, die auf der Straße entführt wird.

Für ihre Arbeit wurden Kreuzpaintner und sein Hauptdarsteller Kevin Kline, der einen texanischen Polizisten spielt, mit dem Friedenspreis des Deutschen Films ausgezeichnet. Die Jury begründete die Vergabe mit dem Hinweis, Kreuzpaintner zwinge die Zuschauer schonungslos, an dem Martyrium der Mädchen teilzunehmen. Seine Bilder seien drastisch und mitunter an der Grenze des Ertragbaren.

Marco Kreuzpaintner, der heute 42 Jahre alt wird, stammt ursprünglich aus Rosenheim. Das Filmhandwerk erlernte er überwiegend autodidaktisch bei Jobs in der Film-, Werbe- und Musikvideoproduktion. 2003 legte der Drehbuchautor, Produzent und Regisseur schließlich sein Spielfilmdebüt "Ganz und gar" (2003) vor, in dem David Rott einen jungen Mann darstellt, der bei einem Arbeitsunfall einen Unterschenkel verliert. Er überspielt alle Gefühle durch beißenden Zynismus und riskiert dadurch mehr als nur eine Freundschaft.

Bekannt wurde Kreuzpaintner vor allem mit seinem sensiblen Coming-Out-Drama "Sommersturm" (2004), für das er mit dem New Faces Award ausgezeichnet wurde. Ihm sei mit "Sommersturm" eine differenzierte Darstellung des Erwachsenwerdens gelungen, lobte damals Jurymitglied Anna Loos. Die Hauptrolle des Teenagers, der in einem Rudersommercamp seine Homosexualität entdeckt, spielte Robert Stadlober.

Der war auch bei der Ottfried-Preußler-Verfilmung "Krabat" (2008) dabei, in dem es um die Gefahr der "Verführbarkeit" Jugendlicher gehe, wie Kreuzpaintner sagte. Preußler hat die Verfilmung seines Jugendromans jedenfalls gefallen. "Es ist ein höchst anspruchsvolles, in sich stimmiges Ganzes entstanden", lobt der Schriftsteller die Umsetzung seines viel gelesenen Jugendbuches.

Aber auch die Komödie beherrscht Kreuzpaintner. In "StadtLandLiebe" (2016) kontrastiert er die Befindlichkeiten und Sehnsüchte moderner Großstädter (vegan, gesundheitsbewusst und stadtmüde) mit dem Leben exzentrischer Dörfler.

Sein aktuelles Projekt ist die Verfilmung des Romans "Der Fall Collini" von Ferdinand von Schirach, in der Franco Nero, Elyas M'Barek, Heiner Lauterbach und Alexandra Lara mitspielen. In dem Politthriller, der noch 2019 in die Kinos kommen soll, geht es um einen der größten Justizskandale Deutschlands.