Berlin (dpa) - Bjarne Mädel war lange vor allem für lustige und extravagante Rollen bekannt. Als Ernie in "Stromberg", Schäffer in "Mord mit Aussicht", Schotty in "Der Tatortreiniger" oder Dealer Buba in "How to Sell Drugs Online (Fast)" hat er sich als kauziger und skurriler Typ einen Kultstatus bei vielen Zuschauern erspielt.

Mittlerweile aber hat der Theater- und Fernsehschauspieler, der heute 52 wird, das klamaukige Image mit jedem Film mehr und mehr abgestreift. "Ich habe überhaupt nichts gegen Komik, im Gegenteil. Ich bringe total gern Menschen zum Lachen", sagte er der "Berliner Zeitung". Aber für die Leute sei man dann oft nur noch "der lustige Trottel vom Fernsehen".

Aus dieser Schublade zu springen, war nicht ganz einfach: "Wir Schauspieler haben diesen Beruf auch gewählt, um unterschiedliche Rollen zu spielen und uns in unterschiedliche Menschen hineinzuversetzen. Aber wir kriegen leider oft das Gleiche angeboten", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Inzwischen aber hat Bjarne Mädel längst gezeigt, was alles in ihm steckt: So spielt er in dem TV-Film "Tages des letzten Schnees" einen verheirateten Banker, der sich in eine junge Frau verliebt und damit nicht nur sein Leben ins Verderben stürzt. In dem Drama "24 Wochen" über eine Spätabtreibung ist er in der Rolle des Vaters zu sehen und in "1000 Arten Regen zu beschreiben" verkörpert er einen verzweifelten Familienvater, dessen Sohn nicht mehr aus seinem Zimmer kommen möchte. Die Familie droht, daran zu zerbrechen.

Bjarne Mädels verheißungsvoller Start ins Leben, begann in Hamburg-Eimsbüttel, wo er vor 52 Jahren im Krankenhaus Elim zur Welt kam. Dort erblickten auch Olli Schulz und Angela Merkel das Licht der Welt. Später träumte er davon, Fußball-Profi zu werden, lebte eine Zeit lang in Nigeria, verkaufte Putzmittel in den USA und wollte mal Schriftsteller werden.

Es wurde schließlich die Schauspielerei. Seine klassische Ausbildung hat Bjarne Mädel an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam absolviert. Jetzt fährt er die Ernte ein: Vor allem im letzten Jahr gab es für Bjarne Mädel einen wahren Preisregen: So hat er als bester Schauspieler einen Bambi bekommen, den Deutschen Schauspielpreis bekam er für den "Tatortreiniger".

Und bei "Berlin & Beyond", dem größtes deutschsprachigen Filmfest in den USA, wurde Mädel mit dem Spotlight Award als bester Schauspieler ausgezeichnet. Eröffnet wurde das Filmfest mit dem Kino-Hit "25 km/h". In der Komödie von Markus Goller spielen Mädel und Lars Eidinger zwei grundverschiedene Brüder, die mit einer Mofa-Tour ihren Jugendtraum wahr werden lassen. Über eine Millionen Zuschauer sahen das Wohlfühl-Roadmovie im Kino.

Inzwischen ist Bjarne Mädel auch hinter die Kamera gewechselt. Mit dem Nordfriesland-Krimi "Sörensen hat Angst" gibt er sein Regie-Debüt. Hauptrolle: Bjarne Mädel. In dem NDR-Film spielt er den Kriminalhauptkommissar Sörensen, der unter einer Angststörung leidet und sich von Hamburg ins friesische Katenbüll versetzen lässt. Er hofft auf ein ruhiges Arbeitsleben, doch kurz nach seiner Ankunft wird der Bürgermeister tot im Pferdestall gefunden. Der Film soll voraussichtlich im nächsten Jahr im Ersten zu sehen sein.