Berlin (dpa) - Beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen ist Julia Koschitz in diesem Jahr mit dem Preis für Schauspielkunst ausgezeichnet worden. Im Vorfeld unterstrich Festivaldirektor Michael Kötz ihre Bedeutung als Repräsentantin des jungen Deutschen Films und pries sie als eine Verwandlungskünstlerin.

Tatsächlich scheint es nichts zu geben, was Julia Koschitz wohl nicht spielen kann. Von Komödie über Krimi bis Drama - die Schauspielerin beeindruckt im Fernsehen und im Kino gleichermaßen. Wobei die große Verwandlungskünstlerin allein durch ihre Mimik ganze Seelenlandschaften malen kann.

Die österreichische Schauspielerin, die heute 45 Jahre alt wird, ist gut im Geschäft. So lief im August im ZDF ihr Film "Balanceakt", in dem sie eine junge, erfolgreiche Architektin spielt, die an Multiple Sklerose (MS) erkrankt. Mit der Diagnose wird ihr Leben von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf gestellt.

Regisseurin Vivian Naefe war von ihrer Hauptdarstellerin schwer beeindruckt: "Sie arbeitet 14 Stunden am Tag an ihrer Rolle, ist total akribisch und versinkt in dem Charakter, den sie spielt. Sie ist selbstkritisch, kraftvoll und kämpft um jede Nuance. Und dabei kann sie auch so wunderbar Humor spielen", sagte sie laut ZDF-Mitteilung.

Außerdem stand Julia Koschitz unter anderem für die Krimikomödie "Das Gesetz sind wir" vor der Kamera, in der sie und Aljoscha Stadelmann zwei frustrierte Streifenpolizisten spielen, die im Kampf gegen Verbrecher das Gesetz künftig selbst in die Hand nehmen wollen, um die Mitglieder eines kriminellen Clans mit deren eigenen Mitteln zu schlagen.

Und in "Minusgrad" ist sie eine überarbeitete Köchin, die einen obdachlosen Mann anfährt, der anschließend immer mehr in ihr Leben eindringt.

Und auch zum Jahresende ist Julia Koschitz präsent. Am Montag (30.12.) zeigt das ZDF um 20.15 Uhr die Verfilmung der Fontane-Novelle "Unterm Birnbaum". Abel Hradschek und Julia Koschitz spielen darin ein Ehepaar, dessen Leben aus den Fugen gerät. Schließlich begehen die beiden sogar einen Mord.

Über ihre Rolle sagte die Schauspielerin der dpa: "Sie ist eine Frau, die nach und nach an ihrer Schuld zerbricht, die keine Kapazitäten mehr hat, ihre Fassade aufrecht zu erhalten, hinter der sich schon vor dem Verbrechen ein zutiefst enttäuschter und depressiver Mensch verbirgt. Sie wird zu einer Frau, die ihr Unglück in Alkohol und Tabletten ertränkt und unbewusst beschließt, sich langsam von diesem Leben zu verabschieden."

Es war ein intensives und volles Jahr für Julia Koschitz, die sich jetzt erstmal eine kleine Pause gönnt und nur ab und zu Theater spielt, bis es von Februar an mit zwei neuen Fernsehserien weitergeht.

Früher wollte Julia Koschitz einmal Tänzerin werden, entschied sich dann aber doch für eine Schauspielausbildung. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie am Theater - Coburg und Regensburg hießen ihre ersten Stationen.

Nach ersten TV-Rollen gab Julia Koschitz 2006 schließlich ihr Kino-Debüt in Ralf Westhoffs Erstling "Shoppen", in dem es um Speed-Dating geht. Ein ungewöhnliches Filmexperiment, das hauptsächlich in einem Raum stattfindet und bei dem viel geredet wird.

Ralf Westhoff sollte eine Art Stamm-Regisseur für Julia Koschitz werden. Zuletzt drehten die beiden die Komödie "Wie gut ist deine Beziehung?" (2019).