Berlin (dpa) - Anfangs hat Walter Plathe sogar noch überlegt. Soll er wirklich der "Landarzt" im ZDF werden? Er habe die Serie nicht gekannt und sich das erst einmal anschauen wollen, erzählt der Berliner Schauspieler heute.

Der Produzent habe ihm damals gesagt, er sei bekloppt. Schließlich übernahm er die Rolle - und war im Fernsehen dann 17 Jahre lang darin zu sehen.

Das ist fast ein Viertel seines Lebens. Heute wird Plathe nun 70 Jahre alt. Er ist ein Schauspieler aus dem Osten, der sich zunächst in der DDR einen Namen machte und später in der ganzen Republik eine Karriere hinlegte. Dabei schlug er anfangs einen ganz anderen Weg ein. Stichwort: Zoohandlung.

Vor der Schauspielschule habe er eine Ausbildung zum "Zootier-Fachverkäufer" gemacht, schreibt er in seinem Buch "Ich habe nichts ausgelassen". Da hatte er dann erstmal mit weißen Mäusen zu tun und nicht mit Theaterbühnen. Geboren wurde Plathe 1950, aufgewachsen ist er in der Ackerstraße in Berlin-Mitte.

Sein früheres Viertel ist ihm immer noch wichtig, er hat auch schon Besucher durch die Stadt geführt. Neben seiner Rolle in "Der Landarzt" spielte Plathe den früheren Bürgermeister in der ARD-Serie "Familie Dr. Kleist". Er war auf dem "Traumschiff" im Zweiten zu sehen, beim ZDF-Krimi "Derrick" und natürlich im Theater. Bei den Berliner Kudammbühnen etwa im Stück "Monsieur Pierre geht online".

Im Buch erzählt er viel von seiner Kindheit. Etwa davon, wie er Hühnchen für einen Tauschhandel in den Westen brachte. Das habe er sicher ein, zwei Jahre lang gemacht. "Bis dann die Mauer kam, dann war aus", sagt Plathe. Sie hätten die Hühnchen beim Fleischer im Osten abgeholt, seien mit dem Schulranzen rüber und hätten sie im Westen beim Zigarettenladen abgegeben. "Im Tausch gab es Geld und West-Zigaretten", heißt es im Buch.

Plathe redet am Telefon ziemlich frei Schnauze, er muss gleich los. Wie es ihm gehe? "Eigentlich ganz gut", sagt Plathe. Mit der neuen Hüfte, die er im Frühjahr bekommen habe, laufe es gut. Gerade habe er ein neues Buch über Heinrich Zille vorgestellt. Der sozialkritische Berliner Maler (1858-1929) liegt ihm am Herzen, zusammen mit anderen Prominenten hat Plathe auch ein Museum für Zille ins Leben gerufen.

Als er auf'm Hinterhof in Berlin groß geworden sei, habe ihm seine Tante zum Geburtstag das große Zille-Buch geschenkt. Er habe darin geblättert und sich gedacht: "Mein Gott, dass kennst du ja alles." Etwa die Gören, die auf dem Hof gespielt hätten. "Und oben aus dem dritten Stock rief eine Olle runter: 'Iphigenie, olle Sau, komm' oben.' Dit kannte ick alles so."

Auch heute wird in manchem Berliner Innenhof noch gerne gebrüllt, aber das klingt dann etwas anders. Plathe spielte in der DDR in mehreren Spielfilmen mit und moderierte zum Beispiel auch mal die Unterhaltungsshow "Ein Kessel Buntes". Kurz vor dem Mauerfall ging er in den Westen. Das sei kein plötzlicher Entschluss gewesen, sondern habe sich nach und nach entwickelt, sagt er heute.

Mit dabei hatte er seinen Dackel Hennes, wie er im Buch beschreibt. Plathe und die Dackel, das ist eine ganz eigene Liebesgeschichte. Mittlerweile lebt er ohne Hund. Aber vielleicht schaue er sich demnächst mal im Tierheim um, erzählt er. Was er im Buch vor einigen Jahren auch beschrieb: dass er sowohl Frauen als auch Männer liebt. Seine Freunde und Kollegen hätten das damals ohnehin gewusst, sagt der Schauspieler.

Dass er sich dann damals doch für den ZDF-"Landarzt" entschied, hat er nach eigenen Worten nie bereut. Es sei eine schöne Zeit gewesen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. "Aber wie man so sagt: Alles hat seine Zeit." Ob er jetzt vielleicht doch noch eine Kneipe aufmacht, wie er im Buch überlegt hat? "Ich wäre wirklich ganz gerne Kneipier geworden. Aber ich glaube, das ist jetzt vorbei."

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