New York (dpa) - Es war einmal ein Anwalt, der seinen Job nicht ausstehen konnte. Seine Zeit in staubigen Gerichtssälen verwandelte John Grisham deshalb in packende Justizthriller und begeisterte Millionen.

Bei der Veröffentlichung seines ersten Krimis Ende der 80er ("Die Jury") glaubte er noch, er würde floppen. An seinem 65. Geburtstag an diesem Samstag ist der US-Amerikaner aus dem Kreis der großen - und reichen - Autoren nicht mehr wegzudenken.

Daran, wie er zum Schriftsteller wurde, erinnert sich Grisham noch genau. Er habe eine Geschichte über schwarze Lynchjustiz an weißen Vergewaltigern gehört. "Aus dieser wurde 'Die Jury'", erzählte Grisham in einem Interview mit dem US-Sender "PBS", das vergangenes Jahr ausgestrahlt wurde. Er sei "besessen" gewesen von diesem Drama. Grisham schrieb auf seiner Basis das Buch, das zum Welterfolg wurde.

Dabei war dem heutigen Multimillionär der Erfolg nicht in die Wiege gelegt, stammte er doch aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater arbeitete als Baumwollfarmer und musste seine Frau und fünf Kinder ernähren. Nach dem Verlust des Hofes siedelte die Familie von Arkansas nach Mississippi in den amerikanischen Südstaaten über, wo es Arbeit auf dem Bau gab. Der junge John verdiente dort schon während der Schule Geld, studierte dann Buchhaltung und schließlich Jura.

Zehn Jahre hielt er es als Anwalt aus. Heute erzählt er, wie sehr er seinen Job gehasst habe. Pure Langeweile und wenig Geld. Kleinstadtfrust und zerstörte Träume im tiefen Süden der USA nehmen auch in Grishams Werk viel Raum ein. Um dem drögen Alltag zu entrinnen, fing er nebenbei mit dem Schreiben an. Und sein Rezept für Krimis mit beißender Kritik an Justiz und Gesellschaft wird zum Volltreffer.

Nach dem Filmvertrag für sein zweites Buch "Die Firma" schließlich hängt er die ungeliebte Kanzlei genauso wie sein Amt als Abgeordneter der Demokraten im Parlament von Mississippi an den Nagel. Der Charme des aufgeschlossenen Regionalpolitikers bleibt ihm dabei bis heute erhalten.

Kritiker werfen ihm Schwarz-Weiß-Malerei vor. Seine Charaktere seien entweder gut oder böse, bettelarm oder superreich. Doch gerade diese Erwartbarkeit lässt viele Leser leicht in Grishams Geschichten eintauchen, von denen er jedes Jahr wie am Fließband mindestens eine neue produziert und die in Dutzende Sprachen übersetzt werden. Damit landet Grisham zuverlässig immer wieder auf die Forbes-Liste der bestverdienenden Autoren.

Das Rechtssystem der USA kommt bei ihm alles andere als gut weg. Grishams Ansicht nach benachteiligt es Schwarze und vollstreckt Todesurteile an Unschuldigen. Er unterstützt deshalb die Organisation Innocence Project als einer deren Direktoren und hilft dabei, zu unrecht Verurteilte anhand von DNA-Beweisen aus dem Gefängnis zu holen.

Doch gerade diese gescholtene amerikanische Justiz erwies sich für Grisham als Goldgrube. Sie bringe immer wieder großartige, atemberaubende Geschichten hervor, sagt er. Denn in den USA nehme man es nicht hin, wenn einem das Recht genommen werde. "Wir nehmen uns einen Anwalt. Wir klagen. Wir tun etwas, weil wir Gerechtigkeit wollen. Das ist der amerikanische Weg. Das ist in unserer DNA."

Für John Grisham jedenfalls gibt es keinen Grund, das Erbgut seiner Krimis zu ändern. Und so kommt im März sein neues Buch "Die Wächter" nach altbewährtem Muster auch in Deutschland in den Handel: Es geht um einen erschossenen Anwalt und einen jungen Afroamerikaner, der der Tat verdächtigt wird.

Innocence-Project

Die Wächter