Burg/Genthin l Anruf am Abend kurz vor Feierabend in einem Genthiner Supermarkt: Eine Mitarbeiterin vom Hauptsitz der Supermarktkette erklärt, dass eine größere Anzahl von Telefon-Prepaid-Karten deaktiviert werden müsse. Die Genthiner Verkäuferin erhält genaue Anweisungen zum weiteren Verfahrensweg. Unter anderem wurden die entsprechenden Pin-Codes telefonisch an die angebliche Zentrale der Supermarktkette übermittelt. Erst später bemerkten die Mitarbeiter in Genthin, dass es sich um Betrug handelt: „Der Schaden für das Unternehmen ist enorm“, sagt Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch.

„Das sind aber eher kleine Fische“, erklärt Christoph Ritter. „Schaden, den Hacker verursachen, wenn sie sich in Unternehmens-Netzwerke einklinken, kann in die Milliarden gehen.“ Bei einer Infoveranstaltung kürzlich in der Burger Volksbank zeigte der Software-Experte aus Tübingen seinen gut 100 Zuhörern am Rolandplatz, wie Profis mit wenigen Mausklicks Warenpreise manipulieren können. Mit einer anderen Masche lösen die Hacker bei Firmen Bestellungen aus, die einem Unternehmen hochkarätigen Schaden zufügen kann.

Auch Unternehmen unserer Region stehen im Visier von Hackern. Jede siebte Firma hierzulande war in den vergangenen drei Jahren Opfer von Spionage und Datenklau – das sind laut einer Studie doppelt so viele wie 2013.

Besonders interessieren sich die internationalen Hacker für Unternehmen aus der Energie- und Finanzbranche, von denen es auch mehrere im Jerichower Land gibt. „Banken und Versicherungen werden sogar mehrfach attackiert“, sagt Ritter, der sich in den Bereichen IT-Sicherheit und Datenschutz bestens auskennt.

Allerdings: Je größer das Unternehmen, desto wahrscheinlicher ist ein Angriff. In der Liga ab einer Milliarde Euro aufwärts jedenfalls ist nicht mehr nur jeder siebte Konzern betroffen, sondern schon jeder fünfte.

Christoph Ritter zeigte mit wenigen Handgriffen, wie Profis innerhalb von Sekunden über die Suchmaschine Google auf Drucker oder Telefonanlagen von Firmen zugreifen können: „Beliebtes Ziel sind Internet-Händler.“ Ratzfatz änderte Ritter den Kaufpreis einer Nobel-Uhr im Online-Shop von 990 Euro zu 9,90 Euro. Und keiner hat‘s gemerkt.