Burg l Name: Batata puri. Hauptzutaten: Kichererbensmehl und Kartoffeln. Herkunft: Indien. Auf syrisch und afrikanisch folgt also nun ein indisches Rezept. Das Projekt „Kochen mit dem Wörterbuch“ sorgt derzeit für einen internationalen Speiseplan im Soziokulturellen Zentrum (SKZ). „Ich will die Burger sensibilisieren, was es außer Stulle mit Aufschnitt noch so viel mehr gibt“, sagt Katja Treffky mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Die Streetworkerin der Rolandmühle hatte die Idee mit dem Essen. „Wir haben schließlich alle Hunger.“

Und mit alle meint die 35-Jährige wirklich alle - egal welche Hautfarbe, Herkunft oder Muttersprache. Während die 26-jährige Sohal aus Indien den Kartoffeln einen Teigmantel verpasst, malt ihr sechsjähriger Sohn Feng mit den jungen Burgerinnen Sarah und Jolina auf einem großen Blatt Papier. Am Nachbartisch teilen derweil Amin und Abubakar aus Afrika Karten aus. Bis das Essen fertig ist, stehen noch gemeinsame Spiele auf dem Plan. Die beiden Jungs Abdul und Fahim aus Afghanistan sitzen mit am Tisch, SKZ-Praktikantin Alina Geßner gesellt sich dazu. Im Hintergrund läuft syrische Popmusik.

Koch-Vokabeln sitzen

„Schälen, Braten, Tisch decken“, alles deutsche Vokabeln, die nach so einem Koch-Tag bei den Flüchtlingen im Wortschatz sitzen. Und auch die deutschen Gäste lernen dazu: Die afrikanischen Wörter ‚Waakye‘ für ein Gericht aus Reis und Bohnen sowie ‚Fufu‘ sitzen nach dem letzten Mal. Es wird nicht nur gemeinsam gekocht und gegessen, sondern auch eingekauft. Mit besonderen Zutaten, die es im deutschen Supermarkt nicht gibt, hilft Ashwag Al-Obaidi vom arabischen Spezialitätengeschäft in Burg aus. Doch das für ein indisches Gericht so wichtige Kichererbsenmehl ist diesmal nicht so leicht aufzutreiben. Die ehrenamtliche Helferin Eva-Maria Halm-Kulke fährt noch mal mit dem kleinen Inder Feng zurück zur Burger Gemeinschaftsunterkunft - dort steht zum Glück eine ganze Packung bereit.

Frisch verarbeitet duftet es in der großen Küche vorzüglich. Das lockt Soleyman an. Wie ihm der Koch-Nachmittag gefällt? „Ich bin glücklich“, erklärt der 27-Jährige aus Mali mit einem Lächeln. Die neue Koordinatorin für den Einsatz der Ehrenamtlichen, Anne Jung, beginnt den Tisch einzudecken. „Es kann losgehen.“

Neues probieren

Schon probiert Fahim den ersten Bissen. „Mmmh“, lautet das Urteil des 17-Jährigen. Gleich neben dem Afghanen nimmt Jannis Kirchhof Platz. Der 15-Jährige gehört zum Jugendforum des Lokalen Aktionsplans für Demokratie und Toleranz. Daher kommen auch die finanziellen Mittel für die Zutaten. Jannis ist überzeugt von dem Projekt. Warum? „Man lernt viele neue Leute kennen und probiert neue Sachen aus.“

Für Organisatorin Katja Treffky steht fest: „Die jungen Burger sind sehr aufgeschlossen, genau wie die ausländischen Jugendlichen. Ich denke, man muss ihnen nur Zeit geben, sich auf dieses neue Miteinander einzustellen und dann klappt das auch.“ Genau deswegen wäre es auch schade, wenn das Projekt mit dem vierten Aktionstag am Montag, 21. Dezember - bis dahin reicht das Geld aus dem Jugendfonds - enden müsste. Katja Treffky will im nächsten Jahr weiter machen und hofft auf Förderer, die sie in punkto Zutaten unterstützen.