Burg/Genthin l Eine Situation, die zahlreiche Jäger im Jerichower Land nur zu gut kennen: Langsam schiebt sich der Mond zwischen die Wolken. Während sich der Wind legt, bemerkt Wilfried Dickner, ein passionierter Weidmann, dass es sich eine Rotte von mehreren Wildschweinen im angrenzenden Maisschlag schmecken lässt. Er hört sie grunzen und schmatzen – und wartet und hofft, dass die Wildschweine noch zum Nachtisch in das benachbarte Rapsfeld wechseln wollen und die etwa sechs Meter breite Schneise überqueren. Dann hätte er die Möglichkeit für einen sicheren Schuss. Weit nach Mitternacht machen sich die Schwarzkittel dann endlich auf den Weg. Wilfried Dickner hat sie im Fadenkreuz des Zielfernrohres. Der laute Knall hallt durch die Nacht und ein stattlicher Frischling liegt, während die anderen Wildschweine längst mit lautem Getöse Reißaus genommen haben.

Jägerschaft sehr aktiv

Solche Momente hat der Genthiner in seinem Jägerleben schon unzählige Male erlebt. Genau genommen hatte er bei diesem Ansitz richtig Glück, weil der Landwirt, der das Feld bewirtschaftet, den Mais nicht bis an die Grabenkante gedrillt, sondern um den etwa 20 Hektar großen Schlag einen Weg zum Umfahren gelassen hat. „Das ist der Idealfall, dann lohnt sich ein Nachtansitz auch, um die Bestände reduzieren zu können“, sagt Dickner. Oftmals allerdings fehlen für die Jäger solche Schneisen zum Schießen, bestätigt Dr. Pieter Ziems, Vorsitzender der Jägerschaft Burg und Vorstandsmitglied des Landesjagdverbandes. Er sagt: „Die Jäger im Kreis waren in den vergangenen Jahren und Monaten sehr aktiv, um die Bestände von Wildschweinen im Zaum zu halten und einen Vormarsch der afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Wir benötigen aber ein engeres Miteinander zwischen Landwirten und Jagdpächtern.“ Das heißt: Landwirte müssten stärkere Anreize haben, Schneisen anzulegen, die gleichzeitig als Stilllegungs- oder Artenschutzfläche dienen könnten.

Eine Forderung, die auch der Landesjagdverband in den vergangenen Tagen aufgemacht hat. Vor allem das unbürokratische Anlegen von Bejagungsschneisen im Mais und Raps sei unabdingbar für eine weidgerechte Bejagung, so der Präsident Dr. Hans-Heinrich Jordan.

Großes Potenzial

Auch der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Genthin, Helmut Elert, sieht in einer engeren Verzahnung von Bauern und Jägern sowie den Bediensteten im Landesforst ein großes Potenzial, den Abschuss von Schwarzkitteln weiter zu erhöhen.

Nachtsichtgeräte kein Allheilmittel

Die Möglichkeit des Landes, den Einsatz von Nachtsichttechnik für die Jagd auf Wildschweine vorübergehend zu erlauben, sehen die Jäger differenziert. Dr. Pieter Ziems ist dafür: „Angesichts der zum Teil großen Wildschweinrotten und der Tatsache, dass die Jagdpächter auch für den Wildschaden aufkommen müssen, kann mit Hilfe von Nachtsichtgeräten auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen eine sichere tierschutzkonforme Bejagung erfolgen.“ Aber Ziems schätzt auch ein, dass Nachtzielgeräte nur zum Erfolg führen, wenn Landwirte in den riesigen Schlägen Bejagungsschneisen anlegen. „Nachtzielgeräte sind kein Allheilmittel, sie wirken nur in Verbindung mit solchen Schneisen.

Alle müssen mitziehen

Weiterhin, schränkt er ein, sei es auch eine Preisfrage. Für gute Zielgeräte müssten schon mindestens 3000 Euro auf den Tisch gelegt werden, für Modelle der Spitzenklasse deutlich mehr. „Das wird sich nicht jeder leisten wollen, aber etliche Jäger werden davon Gebrauch machen“, bestätigt Ziems. Er ist sich sicher, dass die Schwarzwildstrecke auch in diesem Jagdjahr wieder steigen wird. „Wir leisten unseren Beitrag, um einen Ausbruch der ASP zu verhindern. Aber es müssen alle Beteiligten mitziehen.“ Mit im Boot sind bereits die Schweinezuchtbetriebe im Kreis, die den Finanzfonds aufgelegt haben, um die Kosten für die Trichinenuntersuchung (Fadenwürmer), zu übernehmen.

Die ASP, eine Virus-Erkrankung, breitet sich seit 2014 im Baltikum und in Polen immer weiter aus.