Burg/Genthin l Der Bericht zur Agrarwirtschaft in Sachsen-Anhalt ist deutlich: weniger Erträge, finanziell geschwächte Betriebe. Das zeigt sich auch im Landkreis Jerichower Land, wie Peter Deumelandt vom Bauernverband berichtet.

Hitze macht zu schaffen

Es ist nicht warm. Es ist heiß. Die Sonne brennt seit Tagen auf die Felder im Landkreis, ab und an unterbrochen von Hitzegewittern und ein wenig Regen. Auf den hoffen vor allem Landwirte wie Peter Deumelandt. „Die Tendenzen sind klar: Wir haben regional erkennbare Ertragsdefizite beim Getreide und Raps“, so der Geschäftsführer des Bauernverbands Jerichower Land.

Für die kommenden Tage und Wochen sei es entscheidend, dass es nicht so heiß wird und auch immer mal wieder Regen fällt, betont der Diplom-Agraringenieur. Leider sehe die Wetterprognose dafür nicht ganz so günstig aus.

Wirtschaftlicher Schaden

Dramatisch war die Wetterlage bereits in 2018. Die Dürre hat wirtschaftlichen Schaden hinterlassen – das wird sich auch in den Betriebsergebnissen für 2018/2019 zeigen, wie der Bericht zur Lage der Landwirtschaft im Land Sachsen-Anhalt prognostiziert. Diesen hatte vor kurzem Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Grüne) vorgestellt wurde. Im Bericht sind für das Wirtschaftsjahr 2017/2018 Testbetriebe in ganz Sachsen-Anhalt ausgewertet worden. Für das darauffolgende Jahr 2018/2019 rechnet das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie mit ersten Ergebnissen Ende 2019.

Dennoch ist das Ergebnis für 2017/2018 eindeutig. Eine „schlechtere Ernte mit niedrigeren Naturalerträgen“, während die „Aufwendungen für Betriebsmittel gleichbleibend bis leicht steigend“ waren, so der Bericht. Das schwäche die landesweiten Betriebe, die im Durchschnitt der letzten Jahre stabil gewesen sind. Ein Grund dafür sei laut Bericht die langanhaltende Milchpreiskrise. Das deckt sich mit den Eindrücken, die auch Peter Deumelandt aus den zurückliegenden Jahren hat.

Finanzielle Sorgen

Aktuell ist es vor allem die Dürre, die den Landwirten im Kreis finanzielle Sorgen bereitet. Zwar hatte das Land Dürrehilfen zur Verfügung gestellt, die nun zur Hälfte ausgezahlt wurden, wie Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert berichtet hatte. Aber für einige Landwirte sind diese nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Es gibt immer noch viele Betriebe, die auf die Auszahlungen warten. Grundsätzlich muss man ganz klar sagen, dass die bürokratischen Anforderungen hier einfach viel zu hoch sind“, weiß Peter Deumelandt.

Auch der Ökolandbau im Land wird im Bericht aufgeschlüsselt. So betreiben laut Buchführungsergebnisse ökologisch wirtschaftender Betriebe der ostdeutschen Bundesländer insgesamt 407 Betriebe in Sachsen-Anhalt ökologische Landwirtschaft mit einer Fläche von rund 61.000 Hektar (Stand Dezember 2016) – knapp zehn Prozent aller Betriebe im Land. Davon betreiben 20 Betriebe im Jerichower Land ökologische Viehzucht und 43 ökologischen Landbau.

Grüne Landwirtschaft

Das Interesse an „grüner Landwirtschaft“ scheint vorhanden zu sein. „Man muss schon sagen, dass vom Land die Umstellung auf Ökolandbau stark gewollt ist“, so Peter Deumelandt. Mit Blick auf die aktuelle Situation und die möglichen Subventionen sei das nachvollziehbar. Aber: Dazu brauche es auch Nachfrage seitens der Verbraucher.

Gerade diese kritisieren häufig die finanzielle Dürre- hilfen. Das Argument, dass andere Betriebe bei finanziellen Schäden keine Unterstützung erhielten, Stichwort Eismann-Vergleich, sei nicht korrekt, so Deumelandt. „Auch bei schlechten Wetter muss das Getreide geerntet, bei schlechten Milchpreisen die Kühe gemolken werden. Der Landwirt hat allerdings im Jahr vor der Ernte schon gesät und gedüngt. Die Kosten sind ja trotzdem da.“