Volksstimme: Frau Cleve, wie viele Frauen waren im Jahr 2018 im Landkreis Opfer physischer oder psychischer Gewalt? Hat die Gewalt an Frauen und Mädchen zugenommen und welche Gründe sehen Sie dafür?

Karina Cleve: Genaue Zahlen liegen der Kreisverwaltung leider nicht vor, da jede Behörde/Institution oder auch Beratungsstelle eigene Statistiken führt. Die Beratungen für Frauen und Mädchen haben jedoch in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Gründe, warum sich eine Frau oder ein Mädchen entschließt, ihre Gewalterfahrungen öffentlich zu machen und sich entsprechende Hilfe zu suchen, können vielfältig sein. Aus meiner Arbeit nehme ich wahr, dass die Frauen und Mädchen selbstbewusster geworden sind, die Hilfsangebote kennen und diese immer öfter nutzen. Im Frauenhaus Burg lebten im vergangenen Jahr beispielsweise 19 Frauen und 28 Kinder.

Welche Hilfsangebote gibt es für Frauen im Landkreis?
Im Landkreis Jerichower Land gibt es ein Frauenhaus und eine Beratungsstelle beim Deutschen Roten Kreuz, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen und entsprechende Hilfe anbieten. Die Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt und Stalking ist in Magdeburg ansässig, aber auch für das Jerichower Land zuständig.

Wie werden folgende Generationen im Landkreis durch Projekte, Informationsangebote und ähnliches für das Thema sensibilisiert?
Das Soziokulturelle Zentrum in Burg führt vielfältige Angebote für Frauen und Mädchen durch. Aktionen zum Weltmädchentag sind hier zu erwähnen, die den Mädchen helfen sollen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und auf die zentralen Anliegen von Mädchen aufmerksam machen, damit sie die gleichen Chancen erhalten wie Jungen. Außerdem gibt es ein monatliches Frauenfrühstück, bei dem sich die Frauen des Landkreises über ihre Erfahrungen austauschen und so von den Erfahrungen der Anderen profitieren können. Durch die Bildung des Netzwerkes „Tea Time 2.0 Chancengleichheit“ im November 2017 wird jährlich ein Aktionstag von Frauen für Frauen organisiert. Diesem Netzwerk gehören in Burg das Soziokulturelle Zentrum, die Polizei, die Netzwerkstelle Frühe Hilfen Kinderschutz, das Frauenhaus, die Streetworkerin und die ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte an.

Weiterhin die Beauftragte für Chancengleichheit des Jobcenters Jerichower Land sowie der Agentur für Arbeit Magdeburg, die Teilhabemanager des Landkreises Jerichower Land sowie die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Jerichower Land. Jeder Netzwerkpartner für sich sensibilisiert in seiner täglichen Arbeit Frauen und Mädchen für dieses Thema.

Gibt es anlässlich des weltweiten Aktionstages auch Veranstaltungen von Seiten des Landkreises?
Ja. Am 14. Februar um 15 Uhr wird auf dem Magdalenenplatz in Burg anlässlich des „One Billion Rising“–Aktionstages eine Veranstaltung durch das Soziokulturelle Zentrum in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk „Tea-Time 2.0 Chancengleichheit“ organisiert.