Burg l Die Zeichen bei den Beschäftigten der Burger Küchenmöbel GmbH stehen auf Streik.  Die IG Metall-Schönebeck will angesichts „wachsender Unternehmensumsätze“ den Einstieg in den Flächentarif der Holz- und Kunststoffindustrie von Sachsen-Anhalt. Grund: „Hier in Burg wird immer noch 17 Prozent weniger verdient als in vergleichbaren Unternehmen. Das sind rund 400 Euro weniger im Monat, die die Arbeitnehmer in der Tasche haben“, macht Gewerkschaftsfunktionär Thomas Waldheim lautstark deutlich – und erntet vor dem Betriebsgelände reichlich Beifall. Dort lässt die Gewerkschaft für die Streikenden mit Essen und Trinken ein Stück Gemütlichkeit einziehen.

Harte Gespräche erwartet

Streikende klopfen Betriebsratschef Thomas Bösner oft zustimmend auf die Schulter. Er wird während seiner Ansprache deutlich: „Die Geschäftsführung hat auch eine soziale Verantwortung. Mit dem derzeitigen Lohn- und Gehaltsgefüge wird die Altersarmut noch verstärkt. Wo soll das noch hinführen, wenn wir uns nicht wehren?“, fragt er in die Runde der Männer und Frauen in den roten Westen, die die schrillen Töne der Trillerpfeifen eine ganze Weile ertönen lassen.

Für Jens Beilfuß hat der Betriebsrat den richtigen Ton getroffen. Seit zehn Jahren ist der Burger bei den Küchenmöbeln beschäftigt. „Klar ist man zufrieden, dass der Arbeitsplatz sicher ist, aber alle Kosten steigen ständig, nur nicht in gleichem Maße die Löhne und Gehälter. Das spürt jeder“, sagt der 38-Jährige. „Und dann ist es auch kein Wunder, wenn gute Fachkräfte woanders hingehen.“ Sein Streiknachbar ist noch länger bei den Küchenmöbeln angestellt. „Der Osten ist abgehängt. In den alten Bundesländern könnte man solche Löhne nie im Leben zahlen“, sagt er etwas frustriert – und ist dennoch gespannt, ob die dritte Verhandlungsrunde am Freitag eine Einigung bringt oder die Fronten verhärtet bleiben. Auf jeden Fall stehen harte Gespräche bevor. Das unterstreicht auch Sabine Brockschnieder von der Geschäftsführung von Bauformat. „Die Tatsache, dass sich von mehr als 650 Mitarbeitern maximal 150 an dem Warnstreik beteiligt haben, zeigt, dass viele unser Angebot schätzen und wissen, dass wir sehr wohl an die Beschäftigten denken.“

Die Unternehmensleitung bietet an, Löhne und Gehälter für 2020 um 3,4 Prozent, im darauf folgenden Jahr 2021 um 2,4 Prozent und ab 2022 nach dem Flächentarifvertrag zu erhöhen. „Das ist nur fair“, sagt Brockschnieder gegenüber der Volksstimme. „Mit einem anderen Angebot gehen wir nicht in die Verhandlung.“

Gewerkschaft will Eskalation vermeiden

Markus Wente, Gewerkschafter und Verhandlungsführer aus der Bezirksleitung Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, betont nach dem Streik, dass beide Seiten in der Verantwortung stünden, ein tragfähiges Ergebnis zu produzieren. „Wir sind bereit zu konstruktiven Verhandlungen. Am Ende muss aber der Flächentarifvertrag stehen. Nun liegt es in der Hand des Gesellschafters Delf Baumann, eine weitere Eskalation zu vermeiden. Die Beschäftigten haben bewiesen, dass sie hinter ihrer berechtigten Forderung stehen.“

Die Burger Küchenmöbel GmbH gehören zu Bauformat Küchen aus Löhne/Ostwestfalen. Beide Unternehmen beschäftigen zusammen mehr 1000 Mitarbeiter an zwei Standorten.