Hund frisst Gift

Ares überlebt Anschlag

Ares geht es wieder richtig gut. Doch es hätte schlimm enden können. Denn der Yorkshire-Terrier war vergiftet worden.

Biederitz l Nur kurz hatte sich Manuela Teich weggedreht, um den Kotbeutel von Yorkshire-Terrier Ares zu entsorgen. „Eigentlich ist Ares immer direkt hinter mir, aber als ich mich umdrehte, war er noch vor dem Haus“, sagt sie. Es handelt sich um ein Haus im Biederitzer Weidenring. Hier war der Hund mit irgendetwas beschäftigt, schien etwas zu fressen.

Manuela Teich geht erstmal ganz normal weiter mit Ares spazieren. Sie läuft in Richtung Deich und Umflutehle. „Eigentlich wollte ich eine große Runde laufen“, sagt sie. Doch ganz plötzlich habe sich Ares heftig erbrochen. Und dann sei gar nichts mehr gegangen. Der Yorkshire-Terrier bewegte sich keinen Schritt mehr. Die junge Frau, die selbst am Weidenring wohnt, trägt ihren kleinen Hund nachhause. Sie ahnt schon, dass eine Verbindung mit dem bestehen könnte, was Ares zuvor gefressen hat.

Zuhause angekommen, ist der Hund weiter „total platt“, so die besorgte Besitzerin. Sie habe sofort ihren Tierarzt in Rothensee angerufen, um zu erfragen, was sie jetzt tun soll. Der riet ihr, so schnell wie möglich zu ihm zu kommen.

Beim Tierarzt erhält Ares eine Spritze in den Nacken. Sie soll dafür sorgen, dass der Hund das vergiftete Fressen weiter erbricht. Dann geht Manuela Teich mit ihm vor der Tierarztpraxis auf den Rasen. 30- bis 40-mal habe sich der Yorkshire-Terrier hier übergeben. „Danach lag er vollkommen erschöpft im Gras“, erinnert sich sein Frauchen an den schlimmen Tag.

Eine weitere Spritze soll dafür sorgen, dass der kleine Hund die Übelkeit leichter erträgt. Den Rest des Tages verschläft der erschöpfte Ares fast vollständig. Der Tierarzt stellt bei einer Blutuntersuchung fest, dass ein Leberwert sehr stark erhöht ist. Das deute deutlich auf eine Vergiftung hin, sagt Manuela Teich. Sie ist im Nachhinein betrachtet froh, dass sich die Symptome bei Ares so schnell zeigten. Dadurch konnte sie zügig handeln. Am Tag danach sei es Ares dadurch schon wieder recht gut gegangen. Denkbar sei aber auch, dass sich eine Vergiftung über Monate hin bemerkbar macht.

Die Hundebesitzerin ist entsetzt und wütend, dass es ihrem Ares zwei Tage vor seinem vierten Geburtstag so schlecht gehen musste, weil offenbar Hundehasser so weit gehen, vergiftetes Fleisch auszulegen.

Das Erbrochene ihres Hundes sammelte Manuela Teich ein. „Ich dachte mir, es soll ja kein anderes Tier fressen. Außerdem hätte es vielleicht untersucht werden können.“ Es habe ausgesehen, wie die fertig gebratenen Hühnchen-Stücken, die es zu kaufen gibt, so die Hundebesitzerin.

Der Tierarzt rät von weiteren Untersuchungen ab. Denn die Suche danach, um welches Gift es sich genau handelte, ist aufwändig.

Tierärztin Andrea Wenkel führt die Kleintierpraxis an der Ehle in Biederitz. Sie sagt, die Vergiftungssymptomatik sei ein sehr weit gefasstes Feld. Unglaublich viele Symptome seien möglich. Sehr viele Gifte kämen in Betracht. Ein Blutbild könne Erkenntnisse liefern, müsse es aber nicht. Durchfall und Erbrechen könnten bei einer Vergiftung beim Hund auftreten, aber eben auch nicht. „Das ist eine ganz unspezifische Geschichte.“

In ihrer Praxis kämen Vergiftungssymptome relativ selten vor, sagt Andrea Wenkel. Das ließe aber keine Rückschlüsse auf die Häufigkeit zu, denn sie berät die Besitzer dahingehend, sich bei Verdacht auf eine Vergiftung unbedingt sofort an eine Praxis oder Klinik mit angeschlossener Station zu wenden. Denn die Behandlung einer Vergiftung könne ebenfalls sehr aufwändig sein. Gegebenenfalls ist eine stationäre Aufnahme des Hundes erforderlich. Es könne sein, dass der Hund einige Tage am Tropf hängen und Infusionen erhalten müsse, so die Tierärztin. Auch eine sofortige Auswertung der Laborergebnisse könne entscheidend sein. „Das ist kein Standard, der in der normalen Sprechstunde behandelt werden kann“, betont Andrea Wenkel.

Heute geht es dem Yorkshire-Terrier wieder richtig gut. Schwanzwedelnd läuft er vor dem Haus, wo die offensichtlich vergifteten Fleischstücke ausgelegt waren, auf eine Nachbarin von Manuela Teich zu und lässt sich erstmal ordentlich durchkraulen.

Warnungen vor vergiftetem Fressen, so genannten Gitfködern, sind im Gebiet am Biederitzer Weidenring und rund um den nahegelegenen Aldi-Markt gar nicht so selten. In sozialen Netzwerken und bei den Hunderunden weisen sich Hundbesitzer schon jahrelang regelmäßig gegenseitig darauf hin, vorsichtig zu sein, wenn der Verdacht besteht, dass wieder jemand etwas ausgelegt hat. Manuela Teich schätzt, sie habe so etwas „mindestens einmal im Jahr“ gehört. Auch als sie 2018 an den Weidenring zog, sei sie von Nachbarn gleich darauf hingewiesen worden, dass so etwas hier öfter mal vorkommen könne.

Die junge Frau engagiert sich im Tierbergungsteam Sachsen-Anhalt. „Wir bergen tote Tiere, vor allem Katzen und Hunde.“ 2020 kümmerte sich das Team um mehr als einhundert Katzen. Es geht darum, die Besitzer der toten Tiere zu finden, damit diese zum einen Gewissheit haben und zum anderen die Bestattung ihres Tieres auf die Art und Weise regeln können, wie sie es sich für ihren kleinen Vierbeiner wünschen.

Giftköder-Alarm kommt in Sachsen-Anhalt immer wieder vor. So wurden im November 2018 gleich zwei Hunde in Lostau mit Rattengift vergiftet und mussten mehrere Tage stationär behandelt werden. Im selben Jahr fanden Hundbesitzer beispielsweise im Bereich des Biesebades in Osterburg Hackfleisch-Köder, die mit Gift versetzt waren. Auch im Wolmirstedter Wiesengrund muss regelmäßig Giftköder-Alarm geschlagen werden.

Das Polizeirevier Jerichower Land in Burg empfiehlt Hundebesitzern, diesbezüglich besonders aufmerksam zu sein. Inbesondere an Straßen, in Wohngebieten und Parkanlagen. Im Fall des vergifteten Ares hat die Polizei jetzt einen Zeugenaufruf gestartet. Wer um den 30. Dezember 2020 herum am Weidenring in Biederitz Beobachtungen gemacht hat, die dazu führen könnten, den Täter zu stellen, der die Fleischstücken auslegte, der soll sich beim Polizeireiver unter der Telefonnummer 03921/ 920 0 melden.