Teich vom Schilf befreit

Auf Ketten übers Wasser fahren: Mit Amphibienfahrzeug wird wucherndem Schilf auf Ladeburger Dorfteich zu Leibe gerückt

2019 und 2020 ist der Dorfteich in Ladeburg komplett ausgetrocknet. Wucherndes Schilf kam als weiteres Problem hinzu. Dank professioneller Hilfe ist der Teich nun vom Schilf befreit.

Von Thomas Schäfer
Mit einem Amphibienfahrzeug befreit Friedhelm Arndt den Ladeburger Dorfteich vom Schilf.
Mit einem Amphibienfahrzeug befreit Friedhelm Arndt den Ladeburger Dorfteich vom Schilf. Foto: Verena Fischer

Ladeburg - „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir als Kinder auf dem Dorfteich Schlittschuh gelaufen sind“, erinnert sich Verena Fischer an ihre Kindheit. „Aber das ist schon Jahre her. Ich weiß gar nicht so genau, wann es überhaupt das letzte Mal möglich gewesen ist“, überlegt Ladeburgs Ortsbürgermeisterin.

Theoretisch im letzten Winter. Seit Jahren gab es erstmals wieder eine längere Frost- und Schneeperiode. „Das Wetter und die Temperaturen hätten gepasst - aber wir hatten kein Wasser im Teich, das hätte gefrieren können“, zuckt Verena Fischer mit den Schultern.

Damit spricht sie genau das Problem an, das vielen Ladeburgen unter den Nägeln brennt: In den vergangenen zwei Jahren ist der Dorfteich, der direkt hinter dem Feuerwehrgerätehaus liegt, komplett ausgetrocknet.

2014 war der Teich noch voll Wasser

„2019 ist der Teich das erste Mal komplett ausgetrocknet. Dann 2020 gleich nochmal. Dass der Teich komplett trocken liegt, sowas kannten wir hier in Ladeburg überhaupt nicht“, berichtet Verena Fischer. „Allein, wenn ich an unsere 875-Jahr-Feier 2014 zurückdenke. Wir hatten damals eine Lichtillumination auf dem Teich, das Wasser war klar und sauber - und er war voll.“

Davon kann seit zwei Jahren keine Rede mehr sein. Mehr und mehr verschlammt der Teich und wird ganzflächig von Schilf überwuchert. Allein am Schilfwildwuchs ist erkennbar, wie niedrig der Wasserstand auch jetzt schon wieder ist. Normalerweise wächst es nur im Uferbereich, im tieferen Gewässer ist es nicht zu finden.

„2019 konnte man Woche für Woche zusehen, wie das Wasser immer mehr zurückging und dafür das Schilf immer mehr wurde“, erzählt die Ortsbürgermeisterin.

Rückschnitt des Schilfes trifft auf große Resonanz

Gemeinsam mit dem Ortschaftsrat und allen Vereinen des Ortes sowie vielen Einwohnern wurde im September 2019 daraufhin ein Arbeitseinsatz organisiert. Das Ziel: Rückschnitt des Schilfes.

„Es gab eine große Resonanz, und wir haben das Schilf komplett entfernt. Das war natürlich nur möglich, weil der Teich trocken war. Nur in der Mitte war es noch ein bisschen schlammig. Der Boden war aber so fest, dass wir wirklich reingehen konnten“, erzählt Verena Fischer. Mit großer Unterstützung durch ansässige Firmen und Technik von den Bauern ging es dem Schilf an den Kragen.

2020 zerschlug sich die Hoffnung, dass der Teich wieder gut Wasser führen würde. Zwar wurde der Wasserzulauf von der „Quelle“ erneuert, aber es reichte nicht aus. Auch 2020 war es zu trocken. Der Teich lag wieder brach, das Schilf wucherte erneut, und im Oktober gab es den zweiten Arbeitseinsatz. Wieder wurde unter großer Resonanz der Ladeburger Einwohner der See vom Schilf befreit.

Teich hat dieses Jahr noch Wasser

In diesem Jahr sieht es etwas besser aus. Der Teich hat noch Wasser, wenn auch nur knapp 50 bis 60 Zentimeter in der Mitte. Da es aber so flach ist, hat das Schilf wieder zugeschlagen. Es mit einem Arbeitseinsatz selber zu beseitigen, ist diesmal nicht möglich. Zu schlammig, zu aufwendig, zu gefährlich.

„Mein Dank gilt der Stadt Gommern, die es ermöglicht hat, dass wir professionelle Hilfe bekommen haben“, freut sich Verena Fischer. Drei Tage war Friedhelm Arndt von der Firma Hintze Gewässer Instandhaltung aus Genthin vor Ort, um dem Schilf mit schwerem Gerät zu Leibe zu rücken.

Mit einem Amphibienfahrzeug, das sowohl an Land als auch auf dem Wasser fahren kann, schnitt er zwei Tage das Schilf.

Teiche kurz vor dem Austrocknen

Das Fahrzeug bewegt sich dabei auf Ketten, die um schwimmfähige Pontons herum laufen. Vorn montiert ist ein Schneidwerkzeug. An Tag drei, gestern, kam statt der Schneide eine Art Forke zum Einsatz, um das geschnittene Schilf auf dem Teich einzusammeln und meterhoch am Ufer zu stapeln.

Aus Erfahrung kann Friedhelm Arndt berichten, dass es nicht nur Ladeburg mit seinem Teich so geht. Er ist in ganz Sachsen-Anhalt unterwegs. „Es ist überall das gleiche Bild. Gerade in den letzten drei Jahren ist es extrem geworden. Die Teiche sind kurz vor dem Kippen und drohen auszutrocknen“, kann er berichten.

Ladeburgs Dorfteich ist jetzt vom Schilf befreit. Ob er den Sommer übersteht, ohne auszutrocknen, steht auf einem anderen Blatt.

Riesige Mengen an Schilf-Schnittgut sind zusammen gekommen und stapeln sich meterhoch am Ufer.
Riesige Mengen an Schilf-Schnittgut sind zusammen gekommen und stapeln sich meterhoch am Ufer.
Foto: Thomas Schäfer