Nielebock/Genthin l „Das ist wie auf der Autobahn hier!“, sagt Klaus Behrendt kopfschüttelnd und zeigt auf die Lindenstraße, auf der im Sekundentakt Pkw und Lkw vorbeizischen und ein Gespräch durch die Geräuschkulisse erheblich erschweren. An das innerörtliche Tempolimit von 50 Kilometer pro Stunde scheint sich kaum jemand zu halten.

Sperrung

Aufgrund der Vollsperrung der Bundesstraße 107 führt die Umleitung zwischen Genthin und Redekin über die Hauptstraße von Nielebock. Seitdem hätten sich mehrere Einwohner an Klaus Behrendt gewandt. Als ehemaliger Ortsbürgermeister ist er immer noch eine der ersten Anlaufstellen bei Beschwerden. Diese betreffen mehrere Punkte.

Zunächst einmal fühlen sich die Nielebocker nicht über die Umleitung informiert. Man hätte Zettel in die Briefkästen werfen oder wenigstens über einen Aushang im Ort darauf hinweisen können, meint Klaus Behrendt. Doch das sei das geringste Problem.

Davon abgesehen, dass die sonst eher mäßig befahrene Lindenstraße nun über alle Maßen frequentiert werde, würde sich auch kaum einer der Pkw- und Lkw-Fahrer an die zulässige Höchtgeschwindigkeit halten. „Kann man denn für die Zeit der Umleitung kein Tempo-30-Limit einführen?“, fragt Klaus Behrendt.

Denn aufgrund der Geschwindigkeitsüberschreitungen trauten sich viele ältere Bürger gar nicht mehr, die Straße zu überqueren. Doch auch um ihre Gebäude machen sie sich Sorgen. „Wir haben hier Fachwerkhäuser von 1852. Die stehen nahe an der Straße und die Bewohner befürchten, dass die Fundamente und Wände dadurch Schaden nehmen“, erklärt Klaus Behrendt.

Soll Polizei mehr kontrollieren?

Für Geschwindigkeitsbegrenzungen ist die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises zuständig. Eine Anfrage an die Behörde und Pressestelle des Jerichower Landes blieb jedoch zunächst unbeantwortet.

Doch auch eine erhöhte Polizeipräsenz beziehungsweise -kontrollen könnten helfen, die Fahrer zu sensibilisieren, meinen die Nielebocker. „Die Beamten des Revierkommissariats Genthin und die Regionalbereichsbeamten der betroffenen Städte und Gemeinden sind hiervon in Kenntnis gesetzt“, teilt Falko Grabowski, Polizeisprecher des Jerichower Lands, mit. Die Polizei werde auf der Umleitungsstrecke Kontrollen durchführen, ob nun immer in Nielebock, sei aber dahingestellt. Das werde man den jeweiligen Gegebenheiten anpassen.

„Es sind bereits mehrere Hinweise zur Verkehrssituation auf der Umleitungsstrecke im Revierkommissariat Genthin eingegangen“, heißt es von Falko Grabowski. Über Hinweise aus der Bevölkerung sei man sehr dankbar und werde diese „in die Planung der Verkehrsüberwachungsmaßnahmen einfließen lassen“. Unfälle aufgrund der Umleitung seien ihm bisher nicht bekannt.

Straße beschädigt

Der stark erhöhte Lkw-Verkehr würde zudem das Problem nach sich ziehen, die ohnehin schon rissige Lindenstraße weiter zu beschädigen, sagt Klaus Behrendt weiter. Außerdem würden auch nachts immer noch viele Lkws den Ort passieren und so manchen Einwohner aus dem Schlaf reißen.„Ist denn der Krieg ausgebrochen?“, habe ihn ein Einwohner aufgrund des nächtlichen Lärms gefragt.

Dass die Umleitung durch Nielebock nun der kürzeste Weg von Genthin nach Redekin ist, verstehe Klaus Behrendt zwar. Er fragt sich aber, ob es überhaupt eine Bestandsaufnahme gab und wenn ja, wer diese gemacht hat. Derjenige habe „seine Hausaufgaben nicht gemacht“. So mussten auf der Landstraße zwischen Nielebock und Scharteucke am Dienstag die Bäume verschnitten werden. Denn als die Busse ab Montag die Umleitung nehmen mussten, sei aufgefallen, dass sie die Strecke nicht, beziehungsweise nur in der Fahrbahnmitte passieren konnten.„Da hat jemand richtig verschlafen“, so Behrendt. Seitens der Landesstraßenbaubehörde versichert man jedoch, dass vor Baubeginn „eine Beweissicherung der Umleitungsstrecken“ erfolgte.

Die Nielebocker müssen jedenfalls noch eine Weile mit der derzeitgen Verkehrssituation durch ihren Ort zurecht kommen. „Die Umleitung bleibt voraussichtlich bis zum 10. Juli bestehen“, teilt Mario Genth, Fachgruppenleiter Straßenbau der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt, mit.

Der erste Bauabschnitt an der Bundesstraße 107 zwischen der Einmündung Blockdamm und Genthin-Wald soll indes bis zum 29. Mai fertig werden. Auf dieser Strecke wird derzeit die Asphaltdeckschicht erneuert. Im Anschluss daran ist ein zweiter Abschnitt zwischen Genthin-Wald und dem Ortseingang Genthin geplant. Die Kosten für die gesamte Maßnahme beziffert die Landesstraßenbaubehörde auf rund drei Millionen Euro.