Burg l Im Jerichower Land leben und lebten eine Menge interessanter Personen. „Doch es gibt auch eine Gruppe von Menschen, die bisher nicht genug Aufmerksamkeit bekommen hat – Frauen“, meint Stefanie Obieglo, Leiterin der Stadtbibliothek „Brigitte Reimann“ in Burg.

Um diesen Umstand zumindest etwas zu ändern, wurde die Ausstellung mit dem Namen „Aus dem Rahmen gefallen“ vorbereitet, in die Bibliothek geholt. Diese wurde vom Förderverein Genthiner Stadtgeschichte und vom Kreismuseum des Landkreises Jerichower Land erstellt und unterstützt vom Bundesprogramm „Demokratie leben“ sowie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Ausstellung war bereits an anderen Orten wie Haldensleben zu sehen, seit dem internationalen Frauentag am 8. März ist sie in Burg. Ob sie wegen der derzeitigen Schließung der Bibliothek länger bleiben wird, ist noch nicht klar.

Außergewöhnliche Frauen

„Der Titel ist bezeichnend für die Frauen, um die es geht. Diese sind zu der Zeit, in der sie lebten, nämlich irgendwie aus dem Rahmen gefallen. Sie haben etwas gedacht oder getan, was unüblich war und was sie zu außergewöhnlichen Persönlichkeiten gemacht hat“, erläutert die Bibliotheksleiterin den Namen. Vorgestellt werden 13 Frauen, die zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert im Jerichower Land gelebt haben. Allein sieben davon kamen aus Burg. Zu jeder dieser Frauen wurde ein Aufsteller mit Informationen aus deren Leben erstellt und mit – sofern vorhanden – Fotos und Zeichnungen ergänzt. „Es gab mit Sicherheit noch viel mehr Frauen, die Außergewöhnliches geleistet haben, allerdings gibt es über diese zu wenige Informationen und Aufzeichnungen, um sie ebenfalls in diese Ausstellung aufzunehmen“, so Stefanie Obieglo. Sie verweist dabei auf ein Problem, dass in historischen Aufzeichnungen oft zu finden ist: Über Frauen lässt sich deutlich weniger finden als über Männer. „Das kommt natürlich daher, dass Frauen in früheren Zeiten deutlich weniger in die Öffentlichkeit treten konnten und sie viele Rechte und Freiheiten nicht hatten. Und auch, weil sie – wenn sie agierten – als Unterstützung für ihre Männer gesehen wurden, die dann die Lorbeeren für Leistungen erhielten, an denen auch ihre Frauen mitgewirkt hatten.“ In der Zwischenzeit hat sich vieles geändert, Frauen können deutlich stärker am öffentlichen Leben teilhaben, sie können wählen und arbeiten und ihre eigenen Leistungen publik machen. Dennoch sieht die Bibliotheksleiterin und ehemalige Gleichstellungsbeauftragte noch viele Bereiche, in denen gehandelt werden muss. „Frauen verdienen immer noch weniger und es gibt Strukturen, die Frauen klein halten. Zudem stellen Frauen ihre Leistungen manchmal nicht so deutlich in den Vordergrund, wie Männer dies tun. Somit besteht die Gefahr, dass sie in Vergessenheit oder ins Hintertreffen geraten.“ Auch wenn es viele Fortschritte und Verbesserungen für das Leben der Frauen in den vergangenen Jahrhunderten gegeben hat, sieht Obieglo immer noch Handlungsbedarf und deswegen war es ihr wichtig, die Ausstellung in Burg zu zeigen, damit die Geschichten der außergewöhnlichen Frauen eine Inspiration für die Besucher sein können.

„Das Interesse ist auf jeden Fall da. Bei der Eröffnung sind sehr viele Leute gekommen“, so die Bibliotheksleiterin. Allerdings waren diese Personen, bis auf einen Mitarbeiter, der Bibliothek alle weiblich. Dabei sei es auch sehr wichtig, die Männer auf das Thema Gleichberechtigung aufmerksam zu machen. „Es geht ja nicht gegen Männer und auch nicht ohne sie, sondern gemeinsam mit ihnen.“

Ausstellung ist nicht zu übersehen

Um eben Frauen in den Vordergrund zu stellen, ist die Ausstellung „Aus dem Rahmen gefallen“ sehr prominent in der Bibliothek präsentiert. Es ist nahezu unmöglich, sie zu übersehen, denn von der Eingangstür bis hin zur Kinder- und Jugendbibliothek im obersten Stockwerk wurden die Aufsteller platziert. Vorgestellt werden Susanna Elisabeth Zeidler, Marie Huhn, Emilie von Werthern, Johanne Jacobi, Luise Aston, Albertine Flickschu, Elisabeth von Ardenne, Augusta (Aga) Gräfin vom Hagen, Elsa von Bonin, Clara Schwab, Lotte Ballarin, Lilo Busse und Brigitte Reimann, die der Bibliothek auch ihren Namen gab.

Die Leiterin bedauert, dass diese Autorin vielen Burger Einwohnern kein Begriff ist oder sie nur sehr wenig über sie wissen. „Ich denke, dass Brigitte Reimann noch sehr viel mehr genutzt werden sollte, um Interessierte nach Burg zu locken. Und ich wäre dafür, dass ihre Werke auch in den Lehrplan der Schulen aufgenommen werden“, betont sie die Wichtigkeit der Werke der Autorin.

Spannende Geschichten hinter den Frauen

Doch auch hinter den anderen Namen der Frauen in der Ausstellung verstecken sich spannende Geschichten, tragische Schicksale und inspirierende Persönlichkeiten. Einige von ihnen werden in den kommenden Tagen in der Volksstimme vorgestellt.