Kulk in Gommern

Blaualgen-Plage erst einmal überstanden

Weil der Kulk erneut wegen massenhafter Blaualgen gesperrt werden musste, wandte sich die Stadt Gommern an das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Bei der Beprobung gestern Vormittag wurden kaum noch Blaualgen festgestellt.

Von Manuela Langner 07.07.2021, 17:10
Karsten Rahn lässt die Sonde zu Wasser. Ein Team des Departments Seen-Forschung in Magdeburg des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung war gestern auf dem Kulk unterwegs.
Karsten Rahn lässt die Sonde zu Wasser. Ein Team des Departments Seen-Forschung in Magdeburg des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung war gestern auf dem Kulk unterwegs. Foto: Manuela Langner

Gommern - In den Unterlagen der Stadtverwaltung wird die Tiefe des Kulks noch mit 30 Meter angegeben. Davon ist der See jedoch weit entfernt. Kaum mehr als zehn Meter maß das Echolot, als das Team des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), Department Seen-Forschung in Magdeburg, gestern Vormittag den Kulk mit einem kleinen Boot abfuhr.

Ausgerüstet waren Karsten Rinke, Karsten Rahn und Michael Seewald mit ganz unterschiedlicher Technik. Dazu gehörten zwei hochempfindliche Sonden aus der Ozeanographie. Eine Sonde lieferte unter anderem Daten zu Trübung, Sauerstoff, Temperatur, Algenmenge und pH-Wert. Die andere Sonde diente zur Algenmessung. Aber auch vermeintlich einfache Hilfsmittel wie Planktonnetz, Schöpfer und Secchi-Scheibe waren mit an Bord. Mit letzterer lässt sich die Sichttiefe überprüfen. 2,10 Meter stellte Karsten Rahn fest. Ein guter Wert. Zwei Meter gilt als Faustregel. Auch das Wachstum des Tausendblattes im Kulk war ein Hinweis auf eine gute Wasserqualität.

Vor der Ausfahrt hatten die Männer zwei Kisten mit Probenflaschen vorbereitet und beschriftet. Per Schöpfer wurde aus unterschiedlichen Wassertiefen von zehn Metern bis 2,50 Meter Proben genommen. Bei 2,50 Meter war die große Dichte an Wasserflöhen mit bloßem Auge zu erkennen, bei 7,50 Meter fühlte sich das Wasser deutlich kälter an.

Wie kalt das Wasser dort unten tatsächlich ist, verriet zurück an Land ein erster Blick in die Daten der Sonde: Nur noch 7,5 Grad Celsius. Dagegen hat der Kulk oben eine angenehme Temperatur von 23 Grad Celsius.

Noch wichtiger waren jedoch die Daten zu den Algen: Im Moment habe der Kulk kein Blaualgen-Problem, sagte Karsten Rinke. Der Leiter des Departments Seen-Forschung hält ein Baden im See derzeit für möglich.

Der Blick unter das Mikroskop im Labor bestätigte, dass die Blaualgen im Kulk auf dem Rückzug sind. Ob bei der nächsten Hitzewelle erneut ein Wiederaufkommen von Blaualgen zu erwarten ist, werden die Nährstoffanalysen in den nächsten Tagen ergeben, teilte Karsten Rinke per E-Mail mit.

Damit sich Blaualgen ausbreiten, benötigt es drei Voraussetzungen: eine hohe Wassertemperatur, viele Nährstoffe und viel Sonnenschein. Dass der Kulk ein nährstoffreiches Gewässer ist, das ließ sich beim ersten Überblick aus den gesammelten Daten ebenfalls schon ableiten.

Es lässt sich nicht immer herausfinden, woher die Nährstoffe stammen. Die Möglichkeiten reichen von jeder Form menschlicher Nutzung über die Landwirtschaft bis zum Leck in einer alten Abwasserleitung. Der Kulk wird von Grundwasser gespeist. Einen Zufluss gibt es nicht. Der See wird auch zum Angeln genutzt.

Den Kontakt zum UFZ hatte die Stadt Magdeburg vermittelt. Gommern hatte sich dort erkundigt, weil die Magdeburger ähnliche Probleme mit dem Barleber See hatten.

Dr. Karsten Rinke nimmt das Planktonnetz aus dem Wasser. Der Inhalt wurde ebenfalls in ein Probenglas gefüllt.
Dr. Karsten Rinke nimmt das Planktonnetz aus dem Wasser. Der Inhalt wurde ebenfalls in ein Probenglas gefüllt.
Foto: Manuela Langner
So sieht die Probe aus dem Planktonnetz aus. Im Labor wird sie noch genau untersucht.
So sieht die Probe aus dem Planktonnetz aus. Im Labor wird sie noch genau untersucht.
Foto: M. Langner