Burg l Unweigerlich muss die Stadt Burg bei Magdeburg zum äußersten Mittel greifen, um dem gefräßigen Borkenkäfer Herr zu werden. „Wir kommen leider nicht umhin, alle befallenen Bäume zu fällen“, sagt Wieland Günther, zuständiger Baum- und Grünflächenexperte der Stadtverwaltung. Die Anzahl ist stattlich: An etwa 150 Stämmen muss die Kettensäge angesetzt werden. Wie nötig dieser Schritt ist, zeigt der Blick in Richtung der Baumwipfel. Fast überall auf dem weitläufigen Gelände verteilt sind die bräunlich-kahlen Äste zu sehen. Und dort, wo die grünen Nadeln zu Hauf am Boden liegen oder sich Bohrmehl an der Rinde abgelagert hat, ist der Baum längst krank – unheilbar.

Dafür haben die zurückliegenden heißen Monate gesorgt, die für den Borkenkäfer wie geschaffen sind. Sommermonate ohne viel wechselnde Temperaturstürze sind ideal, damit sich die Holzbrüter schnell ausbreiten können. Borkenkäfer bohren sich in die Baumrinde, um ihre Eier abzulegen. Die Larven ernähren sich dort von den saftführenden Schichten des Baumes, die dessen Lebensadern sind. So folgt nach dem Befall meist das Absterben. Ist die Käferpopulation so stark, können neben schwachen oder kränkelnden Bäumen auch gesunde befallen werden. Vor allem deshalb, weil sich der Schädling schnell vom Ei zum Jungkäfer entwickelt. Um mögliche Schädlingswellen aufzuhalten, müssen die gefällten Stämme schnellstmöglich entfernt werden. „Am besten ist das Verbrennen. Wir bemühen uns derzeit um eine Genehmigung beim Landkreis“, sagt Günther.

Partnerbäume betroffen

Mit den Fällarbeiten soll Mitte des Monats begonnen werden. Besonders traurig dabei: Unter den rund 150 Bäumen befinden sich auch sechs so genannte Partnerbäume. Drumherum wurden Urnen bestattet. Diese Bäume zu beseitigen, falle der Stadt laut Günther „sehr schwer, aber wir haben leider keine andere Wahl. Wir können sie nicht stehen lassen, weil sich der Käfer sonst weiter vermehren würde. Das muss unbedingt verhindert werden, um die anderen Bäume zu schützen.“ Nach der Fällung dieser Bäume werden auch die Wurzelstumpen entfernt. „Anschließend pflanzen wir an diesen Stellen wieder neue und mannshohe Bäume“, so Günther. Auch auf dem übrigen Friedhofsareal setzt die Stadt bei Neuanpflanzungen auf eine breite Vielfalt von Nadel- und Laubholzarten. „Monokulturen sind immer anfälliger für Schädlinge“, begründet Günther.

Der Borkenkäfer hat sich auch in der Forstwirtschaft zu einem Problem entwickelt. In vielen Regionen Deutschlands mussten in den vergangenen Jahren ganze Fichtenbestände abgeholzt werden, nachdem sie zuvor von Orkanen und anderen Wetterkapriolen geschädigt und dann vom Borkenkäfer heimgesucht wurden.