Gerwisch l Als die Ortsfeuerwehr Gerwisch am 2. Juli beim Feldbrand eintraf, war die Lage zunächst recht unübersichtlich. Dicke Rauchwolken verringerten die Sicht, das Feuer hatte von der in Brand geratenen Strohballenmaschine bereits auf Feld und Strohballen übergegriffen. Ein typisches Bodenlauffeuer sei es gewesen, sagt Ortswehrleiter Jens Schröder. Etwa kniehoch und mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 20 Kilometern pro Stunde rennt das Feuer über die Wiese.

Zu diesem Zeitpunkt steht Ortsbürgermeisterin Karla Michalski bereits mit dem Fernglas am Feldrand und macht sich Sorgen über ein Übergreifen der Flammen auf das Wohngebiet Seedorf. „Das Feuer verbreitete sich so unglaublich schnell“, schildert sie. Sie hätte aber auch gesehen, dass der Wind „günstig“ stand. „Der Brand trieb in Richtung Woltersdorf, von Gerwisch weg.“ Zunächst habe sie geglaubt, erzählt Karla Michalksi weiter, die das Feld umfließenden Gräben würden den Brand begrenzen. Dann habe sie gesehen, wie das Bodenlauffeuer übersprang. Schnell stehen 25 Hektar Stoppelacker mit Strohballen und etwa zehn Hektar Weizen in Flammen.

Wehren der Gemeinde Biederitz vor Ort

Inzwischen sind die alarmierten Wehren aus allen sechs Ortschaften der Gemeinde Biederitz vor Ort: 70 Einsatzkräfte mit 16 Fahrzeugen.

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Als der Wind nachlässt, haben die Einsatzkräfte das Feuer schnell im Griff. „Ab jetzt war eine koordinierte Brandbekämfpung möglich“, sagt Gemeindewehrleiter Carsten Kiwitt. „Wir hatten dabei große Unterstützung von den Landwirten der Agrar GmbH Gerwisch“, betont er. Sie zogen mit Traktoren fünf bis sechs Meter breite Brandschutzstreifen und schafften damit das, was eigentlich die Gräben leisten könnten: das Feuer zu begrenzen. Wären die Gräben frei von Bäumen und Gebüsch, wäre das Feuer schneller eingedämmt gewesen, ist sich der Gemeindewehrleiter sicher. Büsche und Bäume dürfen hier und andernorts aber aus Naturschutzgründen nicht entfernt werden.

Bäume machen viel Arbeit

Der Biederitzer Bürgermeister Kay Gericke kann das nicht verstehen. Die Sicherheit der Menschen müsse doch wohl Vorrang haben. „Es hätte hier ein Wohngebiet treffen können“, sagt er. Außerdem seien die Feuerwehrkameraden „Familienväter, die für die Brandbekämpfung vom Abendbrottisch aufstehen. Das kann gar nicht genug gewürdigt werden“, sagt Gericke und meint damit wohl auch, dass es ihnen nicht unnötig schwer gemacht werden muss. Tatsächlich haben die Bäume in einem der Gräben den Feuerwehrmännern die meiste Arbeit beschert. Eine Stunde des insgesamt zweistündigen Einsatzes verbrachten sie damit, die wie Schwedenfackeln wirkenden, hohlen Bäume auszusägen und Brandnester zu löschen.

Feldbrände wie in Gerwisch werden zu 70 Prozent von in Brand geratenen Strohballenmaschinen ausgelöst, erklärt Carsten Kiewitt. Bei hohen Außentemperaturen und aufgrund des technischen Fortschritts, der für eine immer größere Schnelligkeit beim Pressen sorgt, entzündet sich das Stroh und greift dann über.

Nicht gegen den Wind fahren

Glück im Unglück: Die Bekämpfung eines Vegetationsbrandes wie diesen übte die Gemeindewehr 2016 bei einer Fortbildung, erzählt der stellvertretende Gemeindewehrleiter Kay Lütten. So konnten die Einsatzkräfte die dort gelernten Grundlagen anwenden. Zum Beispiel nicht gegen den Wind zu fahren und dem Feuer immer auf dem Schwarz (dem bereits abgebrannten Teil) hinterher zugehen.