Lostau l Die Gefahr kommt leise, oftmals im Schlaf und ist fast immer tödlich: giftige Gase, die bei Bränden in Wohnungen entstehen. Viele Opfer kommen nicht in den Flammen um, sondern ersticken oder vergiften sich aufgrund der extrem toxischen Rauchgase. Anfang 2019 haben so fünf Erwachsene im rheinland-pfälzischen Lambrecht ihr Leben verloren. Eine glimmende Zigarette im Müll war vermutlich Auslöser des Brandes. Das Fatale: Rauchwarnmelder, die hätten rechtzeitig alarmieren können, wurden nicht gefunden.

Ein solcher Fall könnte sich überall, auch im Jerichower Land, ereignen. Der Lostauer Bezirksschornsteinfegermeister Stefan Reyher, der einer von acht Innungskollegen im Jerichower Land ist, schätzt, dass etwa 80 Prozent der privaten Häuslebauer Rauchwarnmelder installiert haben.

Pflicht für Eigentümer

In Sachsen-Anhalt sind sie seit 2009 mit einer Übergangsfrist, die 2015 endete, Pflicht für alle Eigentümer von Eigenheimen, Ferienhäusern, Wochenendhäusern und Wohnungsvermieter. Rauchwarnmelder müssen in allen Zimmern angebracht werden, außer in Küchen und Bädern. Bei letzteren könne es zu Fehlalarmen kommen.

Zwar sind Reyher in seinem Kehrbezirk, den er seit 2016 betreut, noch keine Fälle bekannt, dass Rauchmelder Brände verhindern konnten. Aber in Magdeburg hätten solche Geräte schon größere Brände verhindert. Wer auf Brandmelder verzichte, riskiere im Schadensfall auch, dass die Versicherung nicht die volle Schadenshöhe übernimmt, warnt der Schornsteinfegermeister. Nach einem Brand würden solche Dinge abgeprüft. Teure Geräte kombinieren den Rauchsensor mit einem Wärmefühler – treten nur Dämpfe aus, während die Temperatur konstant bleibt, kommt es so nicht zum (Fehl-)Alarm. Hightec-Geräte können auch die Rauchmelder einer Wohnung untereinander vernetzen, bzw. einen Warnruf an eine Zentrale oder aufs Handy des Besitzers schalten. Die besseren Geräte seien unter einem Q-Label zertifiziert, berichtet Stefan Reyher. Wichtig sei aber auch die fachgerechte Befestigung an der richtigen Stelle an der Decke. Ideal sei die Deckenmitte, wenn nicht die Rauchausbreitung durch einen Raumteiler oder anderes Möbelstück gestört wird. Die Geräte sollten auch mit Schrauben befestigt werden, da niemand weiß, ob die Tapete darunter hält.

Teure Geräte mit Akku

Im Zweifelsfall könne die fachgerechte Anbringung eine Fachfirma richtig beurteilen. Neben Schornsteinfegern bieten die Installation u.a. auch Hausmeisterfirmen, Ingenieurbüros und Elektriker an. Wer Rauchmelder installieren möchte, muss alle fünf Jahre seine Zertifizierung erneuern. Ein guter Rauchmelder kostet laut Reyher zwischen 20 und 30 Euro – für die gesamte Wohnung fallen so etwa 120 bis 130 Euro an Kosten an. Die teureren Geräte besitzen statt einer Batterie einen Akku, der zirka zehn Jahre hält. In diesem Zeitraum sollten Rauchmelder sowieso ausgewechselt werden, rät Stefan Reyher. Für die fachgerechte Wartung, die einmal im Jahr stattfinden sollte, fallen zwischen 4 und 10 Euro Gebühren pro Gerät an.

Wenn ein Rauchmelder so wichtig ist, warum haben ihn dann nicht alle? Reyher: „Manche Leute wollen Geld sparen, andere kennen die Verordnung nicht und wieder andere finden so ein Gerät an der Decke hässlich. Aber alle Argumente sind unverständlich.“

Jede Minute zählt

Und was tun, wenn beim Nachbarn ein Rauchmelder anspringt? „Zuerst sollte versucht werden, mit dem Nachbarn per Telefon oder durch Klopfen an der Wohnungstür Kontakt aufgenommen und nach Rauch geschaut werden. Wenn sich nach ein paar Minuten niemand meldet, sollte die Feuerwehr gerufen werden, empfiehlt der Brandexperte. Im Katastrophenfall zähle jede Minute.

Häufige Brandursachen sind Reyher zufolge defekte Elektrogeräte und Kabelbrüche oder wenn vergessen wurde, den Herd auszumachen. Aber auch Kamine, die zu dicht an Möbeln stehen, seien schon Brandauslöser gewesen. „Die Umgebungstemperatur ist dann viel zu hoch“, weiß der Bezirksschornsteinfegermeister. Häufig entstünden aber auch Unfälle bei Partys, wenn Kerzen unbeobachtet gelassen werden. Schornsteine müssten ebenfalls regelmäßig gewartet werden, so Reyher. Anders als manche vermuten, sei der Hausbesitzer in der Bringepflicht – meldet sich also im vorgeschriebenen Zeitraum kein Schornsteinfeger, müsse sich der Häuslebauer selbst darum kümmern.

2500 Kunden

Wer Schornsteine und Heizanlagen nicht im vorgeschriebenen Intervall checken lässt, müsse damit rechnen, dem Bauordnungsamt gemeldet zu werden, so Reyher, der in seinem Kehrbezirk zirka 2500 Kunden betreut.

Übrigens können auch Feuerlöscher die Ausbreitung eines Brandes effektiv bekämpfen - vorgeschrieben sind sie aber nur für Firmen- und Gewerberäume. Die Geräte müssen alle zwei bis drei Jahre überprüft werden.