Friedensau l Zu der offiziellen Freigabe hatte der Landkreis Jerichower Land wegen der Corona-Pandemie keine öffentliche Einladung ausgesprochen, aber vor allem aus dem Ort Friedensau, der am meisten betroffen war, kamen dann doch einige Vertreter vorbei.

Sieben Monate lang war es schwer gewesen, von Möckern nach Friedensau oder andersherum zu kommen. In seiner Rede vor anwesenden Vertretern von Baufirma, Planungsbüro, Hochschule und Kreismitarbeiter ging Landrat Steffen Burchhardt auf die „besonderen Herausforderungen“ ein, die den Brückenneubau begleitet hatten. So hätten sich die Bauzeit und auch die Gesamtkosten erhöht, weil etwa eine Behelfsbrücke für Fußgänger und Radfahrer direkt neben der Baustelle eingerichtet worden war.

Straßenführung an Otterschutz angepasst

Die neue Brücke ist mit neun Metern um drei Meter breiter geworden als die vorherige Brücke. Auch liegt das Bauwerk um 75 Zentimeter höher als der Vorgängerbau. Als Grund dafür werden umweltrechtliche Auflagen genannt: Es wurden rechts und links unter der Brücke zwei sogenannte Otterbermen eingebaut. So soll verhindert werden, dass der Fischotter die Straße überqueren muss, sondern unter der Brücke an der Ihle entlanglaufen kann.

Wie groß die Kostensteigerung wegen dieser umweltschutzrechtlichen Maßnahme an den Gesamtkosten ist, konnte Landrat Burchhardt am Dienstag nicht sagen. Er forderte jedoch von den Ottern, dass sie diese Querungshilfe jetzt bitte auch nutzen sollten: „Ich will hier keinen toten Otter auf der Straße sehen“, sagte er.

Straßenführung musste angepasst werden

Die durch den Otterschutz bedingte Erhöhung der Brücke hatte zur Folge, dass auch die Straßenführung vor und hinter der Brücke angepasst werden musste. Dies wiederum erforderte den grundhaften Ausbau der Kreisstraße 1006 auf insgesamt 260 Metern. Dabei waren schwierige Straßenaufbauten zutage getreten, welche den geplanten Baukosten- und Zeitablauf ins Wanken brachten.

Zu den weiteren „besonderen Herausforderungen“ an die Bauleute zählten laut Landrat Steffen Burchhardt die bis dato unbekannte Gründung des Bestandsbauwerkes auf Bohrpfählen und die Wasserhaltung beim Bachbettausbau der Ihle.

Im Zuge des Neubaus wurde auch das Bett der Ihle auf einer Länge von 20 Metern unter Beachtung ökologischer Belange grundhaft ausgebaut.

Tempo-Reduzierung und Schleichwege im Wald

Der Brückenneubau war nötig geworden, nachdem bei der alten Brücke – Baujahr 1964 – starke Schädigungen festgestellt worden waren, welche die Verkehrs- und Standsicherheit beeinträchtigten. Zuerst war das Tempo der Brücke auf 30 Km/h reduziert worden.

„Wie wichtig so eine Straße ist, merkt man erst, wenn sie nicht zur Verfügung steht“, sagte Landrat Steffen Burchhardt. Für die Bewohner des Ortes und die in Friedensau beschäftigten Mitarbeiter aus dem Bereich Möckern war in Kooperation mit der Stadt Möckern und der Theologischen Hochschule Friedensau eine provisorische Straße durch den Wald zwischen Lüttgenziatz Friedensau hergerichtet worden.